Foto: hell Augen blicken direkt in die Kamera. Kurze, dünne, grau-blonde Haare - in die Stirn gekämmt. Mund und Nasenpartie sind schief. Ohrringe sind 2 Hexen, die auf Besen reiten. Bluse aus teurem Stoff mit geometrischem Muster. Schlanke Halskette

Ursula Eggli (1944-2008)
Eine Buch-Schreiberin

Ursula Eggli ist eine bekannte Buch-Schreiberin.
Viele kennen sie auch,
weil sie für behinderte Menschen aktiv ist.

Als Ursula Eggli ein kleines Kind war,
haben die Ärzte bei ihr eine Muskel-Krankheit festgestellt.
Die Ärzte haben gesagt,
dass Ursula nicht älter als 20 Jahre wird.
Doch Ursula hat in 2004 ihren 60. Geburtstag gefeiert.
Sie hat Urlaub in Venedig gemacht
und ein großes Fest gefeiert.

Das ist Ursulas Lebensgeschichte:
Ursula wird am 16. November 1944 in der Schweiz geboren.
Ihre Familie wohnt in einem kleinen Dorf.
Ursula hat noch 2 jüngere Brüder.
Ihr jüngster Bruder hat die gleiche Krankheit wie Ursula.
Ursulas Vater war Arbeiter.
Die Mutter von Ursula war Haus-Hälterin und Schneiderin.
Die Mutter hat wegen einer Kinder-Lähmung
Probleme beim Gehen.

Als Ursula ein Baby ist, wissen die Eltern noch nicht,
dass sie eine Behinderung hat.
Erst als Ursula nicht richtig Laufen lernt,
stellt ein Arzt fest, dass Ursula eine Muskel-Krankheit hat.

Die Eltern behalten Ursula bei sich zu Hause.
Ursula wächst mit den Kindern im Dorf auf.
Beim Spielen schieben die anderen Kinder
Ursula im Kinderwagen.
Wenn Ursula alleine ist, liest sie gerne.
Es macht ihr auch Spaß,
sich eigene Geschichten aus zu denken.

Ursula geht 3 Jahre in die Schule im Dorf.
Sie ist das einzige Mädchen in der Klasse.
Die Eltern bringen Ursula jeden Tag in die Schule
und holen sie wieder ab.
Mit 9 Jahren kommt Ursula
in ein Heim für behinderte Kinder.
In dem Heim macht Ursula ihren Schul-Abschluss.
Danach lebt sie wieder eine Zeit lang bei ihren Eltern.

Anfang der 70er Jahre wird in der Schweiz
ein Club Behinderter und ihrer Freunde (abgekürzt CeBeeF) gegründet.
Ursula ist von Anfang an mit dabei.

Ursula ist ein offener Mensch.
Sie hat viele behinderte
und nicht-behinderte Freunde und Bekannte.
Zusammen mit einigen Freundinnen und Freunden
zieht sie in eine Wohn-Gemeinschaft.

1977 schreibt Ursula ein Buch über das Leben
in der Wohn-Gemeinschaft.
Das Buch heißt „Herz im Korsett“ und ist Ursulas erstes Buch.
Sie schreibt in dem Buch über ihre Gefühle,
Liebe und Sexualität.
Ursula ist damit eine der ersten behinderten Frauen,
die über Liebe und Sexualität von behinderten Frauen schreibt.
Viele Menschen haben damals geglaubt,
dass behinderte Frauen keine richtigen Frauen sind
und deshalb keine Sexualität haben.

Ursula macht auch bei einem Film mit,
bei dem es um die Sexualität von behinderten Menschen geht.
Der Film heißt „Behinderte Liebe“.

Ursula kämpft zusammen mit anderen
für die Rechte behinderter Menschen.
Sie hält zum Beispiel Vorträge
und schreibt Artikel für Zeitschriften.

Ursula schreibt auch weiter Bücher.
Sie schreibt Kinder-Bücher und Märchen, in denen
zum Beispiel Schnee-Wittchen und Rot-Käppchen behindert sind.

Ursula verliebt sich in eine Frau
und ist 6 Jahre mit ihr zusammen.
Ursula trifft sich mit anderen
behinderten Lesben und Schwulen.
Sie sprechen darüber,
dass behinderte Lesben und Schwule schlecht behandelt werden.

Die Gruppe kämpft dafür,
dass auch behinderte Frauen mit Frauen
und behinderte Männer mit Männern zusammen sein können.

Ursula lebte in einem großen Haus in Bern.
Ein Pflege-Dienst unterstützt sie 4 Stunden am Tag.
Freunde und Nachbarn helfen ihr.
Wegen ihrer Behinderung
kann Ursula kaum noch am Computer arbeiten.
Sie schreibt trotzdem noch regelmäßig Bücher.

Ursula war immer viel unterwegs.
Man trifft sie auf Veranstaltungen,
bei denen es um Behinderung geht
oder wenn sie aus ihren Büchern vorliest.

Ursula Eggli ist im Mai im Jahr 2008 im Alter von 63 Jahren gestorben.
Wir vermissen sie sehr
und werden ihre Bücher zur Erinnerung immer wieder lesen.

 

Der Text in schwerer Sprache wurde geschrieben von Anneliese Mayer.
Der Text in Leichter Sprache wurde übersetzt von Christina Dick.

Bildnachweis:

Foto: Ursula Eggli, privat

Leichte-Sprache-Zeichnungen: Reinhild Kassing
Zur Webseite Leichte-Sprache-Bilder

 

Aus: WeiberZEIT Leicht gesagt Nr. 06, 2005, S. 8-9