Strich-Zeichnung: ein schmales Gesicht mit scharfkantiger Nase, vorgerecktem Kinn und großen, fast erschrocken wirkenden Augen. Die Haare sind zu einem Knoten am Hinterkopf gefasst, ein Pony verdeckt die Stirn. Der Gesichtsausdruck ist ernst

Unica Zürn (1916-1970)
Eine Buch-Schreiberin und Zeichnerin

Unica Zürn war eine Schriftstellerin und Zeichnerin.
Sie lebte von 1916 bis 1970.
Wie viele andere Frauen in dieser Zeit
wurde Unica Zürn als Künstlerin nicht sehr berühmt.

Unica wurde als Nora Berta Ruth Zürn mitten im 1. Welt-Krieg geboren.
Sie lebte mit ihre Mutter und ihrem älteren Bruder zusammen.
Der Vater war wenig zuhause.
Als Kind hat Ruth schlimme Dinge erlebt:
Ihr Bruder hat sie vergewaltigt.
Und ihre Mutter hat dem Mädchen Angst gemacht.
Die kleine Ruth war oft allein und hat in ihrer eigenen Fantasie-Welt gespielt.

Ruth hat mit 16 Jahren die Schule abgebrochen
und hat später als Schreiberin für Werbe-Filme gearbeitet.

Mit 26 Jahren hat Ruth geheiratet und 2 Kinder bekommen.
Aber nach 7 Jahren wurde die Ehe geschieden
und die Kinder kamen zum Vater.
In dieser Zeit musste Ruth wieder selbst Geld verdienen:
Sie schrieb Geschichten und Hör-Spiele.
Sie zeichnete in dieser Zeit ihre ersten Bilder.

In dieser Zeit veränderte sich viel in ihrem Leben.
Sie änderte ihren Namen Ruth in Unica.
Und sie lernte den Künstler Hans Bellmer kennen.
Er lebte in Paris und war ein bekannter Künstler.

Hans Bellmer machte Unica Mut, damit sie weiter Texte schreibt:
Ihre ersten Erzählungen und viele kurze Gedichte.

Die beiden haben sich gegenseitig in ihrer Arbeit unterstützt.
Sie lebten zusammen in Paris und hatten wenig Geld.
Die Beziehung war nicht einfach:
Unica wollte sich immer wieder trennen.
In dieser Zeit wurde Unica auch psychisch krank.
In ihrem Buch „Der Mann im Jasmin“
hat sie sehr genau über ihre Krankheiten geschrieben.

Im Jahr 1960 hatte sich Unica wieder einmal von Hans Bellmer getrennt.
Sie war in Berlin und es ging ihr sehr schlecht.
Deshalb wurde sie in eine psychiatrische Klinik gebracht.
Dort musste sie ein halbes Jahr bleiben.

Im Frühling 1961 kam sie nach Paris zurück,
aber sie musste dort auch wieder in eine Klinik.
In dieser Klinik hat Unica viele Bilder gezeichnet.
In den Jahren danach war Unica abwechselnd
bei Hans Bellmer in Frankreich und in verschiedenen Kliniken.
Es ging ihr immer schlechter:
Sie war sehr traurig und musste starke Medikamente nehmen.

In den Jahren 1969 und 1970 ging es Unica
mal besser und mal schlechter.
Hans Bellmer und sie hatten sich getrennt.

Unica wurde aus der Klinik entlassen, als es ihr besser ging.
Aber am 19. Oktober 1970 hat sich Unica umgebracht.

Unicas bekanntestes Buch ist
„Der Mann im Jasmin. Eindrücke aus einer Geisteskrankheit“.
In diesem Buch schreibt sie sehr genau über sich und ihre Krankheit.
Aber auch über die Abläufe in der Psychiatrie
und über die anderen Patientinnen.

Hier ist ein kleiner Text von Unica Zürn:
Ich weiss nicht, wie man die Liebe macht
Wie ich weiss, „macht“ man die Liebe nicht.
Sie weint bei einem Wachslicht im Dach.
Ach, sie wachst im Lichten, im Winde bei
Nacht. Sie wacht im weichen Bilde, im Eis
Des Niemals, im Bitten wache wie ich.
Ich weiss, wie ich macht man die Liebe nicht.

 

Der Text in schwerer Sprache wurde geschrieben von Anneliese Mayer.
Der Text in Leichter Sprache wurde übersetzt von Ricarda Kluge.
Anita Kühnel hat den Text geprüft.

Bildnachweis:

Portrait-Zeichnung:  Brigitte Faber

Leichte-Sprache-.Zeichnungen: Reinhild Kassing
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Aus: WeiberZEIT Leicht gesagt Nr. 26/27, 2015, S. 16-17