Dies ist die Geschichte von Harriet Tubman,
von ihrer Flucht aus der Sklaverei und wie sie danach
vielen anderen schwarzen Menschen geholfen hat.
Vor etwa 200 Jahren wurden Millionen
von Menschen mit schwarzer Haut-Farbe
von Afrika nach Amerika verschleppt.
Sie wurden wie Vieh auf große Schiffe getrieben.
Sie wurden auf dem Schiff sehr schlecht behandelt.
Sie bekamen wenig zu essen und zu trinken.
Sie wurden mit schweren Ketten gefesselt.
Die Fahrt mit dem Schiff dauerte viele Wochen.
Viele starben schon auf dem Weg nach Amerika.
In Amerika angekommen, mussten die meisten
als Sklaven auf den Feldern oder in den Häusern
ihrer weißen Besitzer arbeiten.
Die Sklaven-Besitzer waren reiche Amerikaner.
Die Amerikaner nannten die schwarzen Menschen Nigger.
Es war als Schimpfwort gemeint.
Nigger heißt übersetzt Neger.
Neger ist also ein Schimpf-Wort
und niemand sollte das Wort mehr benutzen.
Die Arbeit in der Sklaverei war sehr hart.
Eine Sklavin oder ein Sklave hatte keine Freiheiten.
Sklave zu sein, heißt, im Besitz eines
weißen Menschen zu sein und keine Rechte zu haben.
Die weißen Menschen durften mit den schwarzen Menschen
machen, was sie wollten.
Die weißen Besitzer bestraften
die Sklavinnen und Sklaven oft.
Sie peitschten sie schon bei kleinen Fehlern aus.
Die Sklavinnen und Sklaven wurden
von ihren Besitzern manchmal sogar absichtlich gequält.
Die weißen Besitzer hatten auf ihren Feldern Aufseher.
Diese Aufseher waren oft brutal und gemein.
Die Sklavinnen und Sklaven
mussten in schäbigen Hütten leben.
Schwarze Ehe-Leute wurden voneinander getrennt,
weil ihre Besitzer den Ehe-Mann oder die Ehe-Frau
einfach weiter verkauft haben.
Auch die Eltern von Harriet waren Sklaven.
Harriet wurde schon mit 6 Jahren
von ihren Eltern getrennt und musste als Sklavin arbeiten.
Egal wie es ihr ging und wie sie sich fühlte,
sie musste arbeiten wie ein Mann.
Ansonsten schlug ihr Besitzer sie mit der Peitsche.
Sie erlebte Gewalt und Unterdrückung.
Mit 18 Jahren verletzte ein Aufseher sie schwer am Kopf.
Danach hatte sie eine Behinderung, die Narkolepsie heißt.
Narkolepsie ist eine Erkrankung,
bei der Schlafen und Wachsein durcheinander geraten sind.
Menschen mit dieser Behinderung schlafen am Tag
manchmal einfach ein, auch wenn sie das gar nicht wollen.
Wie oft Menschen mit dieser Krankheit am Tag einschlafen
und wie lange sie schlafen ist bei jedem Menschen anders.
Harriet heiratete mit 24 Jahren John Tubman.
Als sie 5 Jahre später an
einen anderen Besitzer verkauft werden sollte,
beschloß sie zu fliehen.
Mit 28 Jahren gelang Harriet Tubman die Flucht in die Freiheit.
Schon während ihrer Flucht
hatte sie eine geheime Gruppe kennen gelernt.
Dieser Gruppe gehörten viele Menschen an.
Diese Menschen halfen Sklavinnen und Sklaven bei der Flucht.
Die Flucht ging aus dem Süden der USA in den Norden.
Der Weg aus dem Süden nach Norden war weit.
Im Norden Amerikas waren sie frei.
Dort gab es keine Sklaverei.
Harriet wurde die bekannteste Helferin.
Sie rettete das Leben von über
300 Männern, Frauen und Kindern.
Ihr geheimer Name war „Moses“.
Weil der Moses aus der Bibel
auch ganz viele Menschen gerettet hat.
Es gibt auch ein Lied über Harriet
und dass sie schwarze Menschen gerettet hat.
Das Lied ist in der ganzen Welt bekannt.
Die Amerikaner im Norden waren gegen die Sklaverei.
Sie kämpften im amerikanischen Bürger-Krieg
auch gegen die Sklaverei im Süden.
In diesem Krieg arbeitete Harriet als Köchin,
Krankenschwester und Spionin für den Norden.
Als der Krieg zu Ende war, richtet Harriet
ein Alters-Heim für schwarze Menschen in ihrem Haus ein.
Sie kämpfte dafür, dass schwarze Menschen
zur Schule gehen dürfen
und dass sie an Wahlen teilnehmen dürfen.
Sie forderte die Regierung auf,
sie für ihre Arbeit während des Krieges zu bezahlen.
Ihre Forderungen wurden erst kurz vor ihrem Tod erfüllt.
Das Geld gab sie weiter an andere,
die weniger hatten.
Harriet Tubman starb in ihrem Haus
an einer Lungen-Entzündung.
Sie war 93 Jahre alt geworden.
Der Text in schwerer Sprache wurde geschrieben von Anneliese Mayer.
Der Text in Leichter Sprache wurde übersetzt von Angelika Reitz.
Bildnachweis:
Foto: Horatio Seymour Squyer - public domain, gemeinfrei
wikimedia commons
Leichte-Sprache-Zeichnungen: Reinhild Kassing
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Aus: WeiberZEIT Leicht gesagt Nr. 08, 2005, S. 11-12