Feine Zeichnung auf Tonkarton: Gesicht im Halbprofil, wohlwollend-milder Blick nach links. Helle, glatte, am Kopf anliegende Haare. Mit Mittelscheitel, Stirn frei. Den Hinterkopf bedeckt weiche Spitzenhaube, unter dem Kinn mit breitem Band befestigt.

Harriet Martineau (1802-1876)
Eine Forscherin

Harriet Martineau kennt heute in Deutschland kaum jemand.
Ihre Bücher und Texte gibt es nicht auf Deutsch.
Dabei war Harriet Martineau eine wichtige Wissenschaftlerin.
Und sie war die erste Frau, die als Soziologin geforscht hat.
In der Soziologie geht es darum:
Wie leben Menschen zusammen?
Welche Regeln gibt es für das Zusammen-Leben von Menschen?

Harriet Martineau wurde 1802 in einer Klein-Stadt in England geboren.
Ihre Familie hatte viel Geld.
Harriet hatte noch 7 Geschwister.
Schon als Kind konnte sie immer schlechter hören.
Als Hilfs-Mittel hat sie ein Hör-Rohr benutzt.

Harriet selbst hat später aufgeschrieben,
dass ihre Kindheit sehr schwer war.
Ihre Mutter war sehr streng zu den Kindern.

Harriet war ein kluges Mädchen.
Sie lernte 5 Sprachen und hat viel gelesen.
Aber sie durfte nicht zur Höheren Schule gehen,
sondern sollte lieber Hand-Arbeiten lernen.

Aber Harriet wollte immer Forscherin werden und Bücher schreiben.
Ihr Bruder James hat sie dabei immer unterstützt.
Schon mit 19 Jahren hat sie Texte für eine Wissenschafts-Zeitung geschrieben.

Mit 24 Jahren hat sie überlegt, ob sie heiratet und Kinder bekommt.
Aber sie war nicht sicher, ob dieses Leben das richtige für sie ist.

Als ihr Verlobter noch vor der Hochzeit stirbt, hat sie entschieden:
Sie will lieber allein bleiben und arbeiten.
1832 fängt sie mit einer Buch-Reihe über Politik und Wirtschaft an.
Dabei ist ihr sehr wichtig, dass viele Menschen ihre Texte verstehen.
Deshalb schreibt sie in einer verständlichen Sprache.

Ab 1834 fährt sie für 2 Jahre nach Amerika und forscht dort.
Sie spricht mit vielen Menschen.
In ihren Büchern vergleicht Harriet Martineau:
Welche Regeln und Vorschriften gibt es in Amerika
für das Zusammen-Leben?
Und wie leben die Menschen wirklich?
Harriet macht die Amerika-Reise nicht allein.
Ihre Kollegin Louisa Jeffrey hilft ihr,
besonders wegen ihrer Schwer-Hörigkeit.

Schon 1832 ist Harriet nach London gezogen.
Dort hat sie viel mit anderen Forscherinnen und Forschern zu tun.
Sie setzt sich für die Rechte von Frauen ein.
Zum Beispiel dafür, dass Mädchen zur Schule gehen dürfen.

1839 wird Harriet schwer krank.
Sie hat Krebs.
Der Arzt sagt, dass sie nur noch 5 Jahre leben wird.
Sie hat schlimme Schmerzen und muss gepflegt werden.

Aber trotzdem arbeitet Harriet in dieser Zeit weiter.
Sie schreibt Kinder-Bücher
und ein wichtiges Buch über das Leben mit einer schweren Krankheit.

Nach einiger Zeit geht es Harriet wieder besser.
Sie glaubt fest daran,
dass ihr eine besondere Heil-Methode geholfen hat.
Dabei geht es um Hand-Auflegen und um Hypnose.
Viele Ärzte haben gesagt, das kann bei Krankheiten nicht helfen.

Nach ihrer Krankheit reist Harriet sehr viel,
obwohl sie inzwischen nicht mehr hören kann.
Zum Beispiel in England und Irland, aber auch in Syrien und Ägypten.
Dort forscht Harriet über die verschiedenen Religionen.

In dieser Zeit schreibt sie viele Bücher:
Romane, Reise-Berichte, wissenschaftliche Übersetzungen und Texte für Zeitungen.
Sie schreibt zum Beispiel über Frauen und über Menschen mit Behinderungen.
Und sie übersetzt Bücher und Artikel.
Außerdem lässt sie ein Haus für sich auf dem Land bauen.
Dort gibt sie Kurse für Arbeiter und hat eine kleine Land-Wirtschaft.

1856 wird Harriet wieder krank.
Sie muss gepflegt werden
und das Schreiben fällt ihr immer schwerer.
Aber ihre Lebens-Geschichte kann sie noch aufschreiben.
Und sie macht sich weiter für die Frauen-Rechte stark.

1876 stirbt Harriet Martineau in ihrem Haus.
Sie wurde 74 Jahre alt.

 

Der Text in schwerer Sprache wurde geschrieben von Anneliese Mayer.
Der Text in Leichter Sprache wurde übersetzt von Ricarda Kluge.
Geprüft wurde der Text von Anita Kühnel.

Bildnachweis:

Gemälde: George Richmond
Originalfotografie: E.F.T., aus dem N.Y. Public Library Archiv - public domain, gemeinfrei
wikimedia commons

Leichte-Sprache-Zeichnungen: Reinhild Kassing
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Aus: WeiberZEIT Leicht gesagt Nr. 29, 2015, S. 13-15