Foto: junge Frau, glatte dunkle Haare mit Rundschnitt, markante Augenbrauen. Am Hals geschlossener Arbeitskittel. Neben ihr leicht abstrakte Ton-Skulptur - Erwachsener und Kind. Im Vordergrund  fast gleiche Skulptur überlebensgroß

Dorothea Buck (1917-2019)
Eine Kämpferin für Menschen-Rechte

Dorothea Buck ist 1917 geboren worden.
Als Dorothea geboren wurde war vieles noch ganz anders als heute.
Es gab erst sehr wenig Autos.
Auf den Straßen fuhren noch Pferde-Kutschen.
Der Vater von Dorothea war Pfarrer.

In ihrem langen Leben hat Dorothea viel erlebt.
Es gab viel, das Dorothea weh getan hat.
Mit 18 Jahren wurde Dorothea krank.
Sie bekam das erste Mal eine Psychose.
Eine Psychose ist eine Krankheit im Kopf.
Dorothea hat während der Krankheit
zum Beispiel andere Menschen gehört.
Die Menschen waren aber gar nicht da.
Aber Dorothea hat sie ganz deutlich gehört.

Die Krankheit dauert unterschiedlich lange.
Die Krankheit geht wieder weg
und manchmal kommt sie später nochmal wieder.
Bei Dorothea kam die Krankheit 5 mal wieder.

Während der Krankheiten hat man Dorothea in eine Klinik geschickt.
Eine besondere Klinik für Psychosen.
In der Klinik hat man schlimme Sachen mit Dorothea gemacht:
Niemand hat mit Dorothea geredet.
Sie hat Spritzen bekommen.
Sie wurde operiert damit sie keine Kinder mehr bekommen kann.
Aber man hat sie nicht gefragt ob sie das will.

Das ging viele Jahre so.
Dorothea wurde immer wieder krank.
Und sie wurde immer wieder in Kliniken geschickt.
Dort konnte sie nie selbst-bestimmt leben.

Aber irgendwann hörte die Krankheit auf.
Dorothea sagt:
Ich habe mich selber geheilt.
Da war Dorothea schon 42 Jahre alt.

Eigentlich wollte Dorothea Kindergärtnerin werden.
Aber das durfte sie nicht wegen ihrer Krankheit.
Also wurde Dorothea Künstlerin.
Sie macht große Figuren aus Stein.
Später arbeitet sie als Lehrerin für Kunst.

Irgendwann hat Dorothea über ihre Geschichte ein Buch geschrieben.
Viele Menschen haben das Buch gelesen.
Später wurde auch ein Film über das Buch gemacht.

Der Film heißt: Himmel und mehr.
Der Film läuft in Kinos.
Und es gibt den Film auch für zuhause als DVD.

Dorothea macht auch Seminare mit Menschen
die die gleiche Krankheit haben.
Sie will den Menschen helfen.
Sie macht auch Seminare mit Ärztinnen und Ärzten.
Und sie macht Seminare mit den Familien
von psychisch kranken Menschen.
Diese Seminare sind wichtig für alle.
Denn in diesen Seminaren reden alle endlich miteinander.

Dorothea hat auch einen wichtigen Verein gegründet.
Es ist ein Verein von Menschen die psychisch krank sind.
Der Verein will das Gleiche das behinderte Menschen auch wollen:
Der Verein sagt: Redet nicht über uns!
Redet mit uns!

Den Ärzten und Ärztinnen sagt Dorothea:
Redet mit den kranken Menschen!
Sie sagt:
Oft wissen die kranken Menschen
viel besser Bescheid als Ärztinnen und Ärzte.
Sie sagt:
Ihr müsst mit den psychisch kranken Menschen zusammen arbeiten.

Dorothea lebte bis 2019 in Hamburg und machte Kunst.
Sie ist 102 Jahre alt geworden.
Dann ist sie gestorben.

 

Der Text in schwerer Sprache wurde geschrieben von Heike Oldenburg.
Der Text in Leichter Sprache wurde übersetzt von Ricarda Kluge.
Anita Kühnel hat den Text geprüft.

Bildnachweis:

Foto: https://www.himmelundmehr.de/ mit Genehmigung von Alexandra Pohlmeier

Leichte-Sprache-Zeichnungen: Reinhild Kassing
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Aus: WeiberZEIT Leicht gesagt Nr. 20, 2012, S. 9-10