Studio-Foto: Mädchen an Schwelle zur Frau vor Landschaftsgemälde. Schwarzes langes Trägerkleid, weißer hochgeschlossener Spitzen-Pullover. Die Hände hinter dem Rücken gehalten. Dunkle Haare mit kinnlanger Frisur. Große Augen, der Blick traurig-schmollend

Clara Haskil (1895-1960)
Eine Klavier-Spielerin

Clara Haskil lebte von 1895 - 1960.
Sie konnte sehr gut Klavier spielen.
Sie war eine gute Pianistin.
Clara Haskil hatte noch 2 Schwestern.
Sie lebte mit ihrer Familie in Bukarest.
Bukarest ist die Hauptstadt von Rumänien.

Clara hat schon mit 3 Jahren angefangen Klavier zu spielen.
Sie hat sich ein Lied angehört,
das sie dann auf dem Klavier gespielt hat.
Es hat ihr großen Spaß gemacht.

Als Clara 4 Jahre alt war, ist ihr Vater gestorben.
Für Clara war das sehr schlimm.

Ihre Familie hatte nicht viel Geld.
Und nach dem Tod von Claras Vater
brauchte die Familie Hilfe.
Ein Onkel hat der Familie Geld gegeben.

Als Clara 5 Jahre alt war, konnte sie in eine Schule gehen.
Dort hat sie viel über Musik gelernt.
Sie konnte Klavier spielen üben.
Und war bald sehr gut.

2 Jahre später ist sie nach Wien gegangen.
Das ist eine große Stadt in Österreich.
Dort hat Clara eine weitere Schule besucht.
Eine Schule für Musik.
Dort hat sie eine Aus-Bildung zur Pianistin gemacht.

Clara hat in Wien bei einem Onkel gewohnt.
Der Onkel war Arzt.
Er hat aber nicht mehr gearbeitet.
Er hat Clara Unterricht gegeben.
Zum Beispiel im Lesen, Schreiben und Rechnen.

Clara hatte kaum Freunde.
Der Onkel wollte das nicht.
Für ihn war nur wichtig,
dass sie viel Klavier spielen übt.
Clara wird sehr schüchtern
und glaubt wenig an sich selbst.
Das ist sehr schade.

Clara ist aber eine sehr gute Klavier-Spielerin.
Und viele Menschen hören ihr gerne zu.
Sie sagen:
Egal was Clara auf dem Klavier spielt, es ist sehr schön.

Später zieht Clara mit ihrem Onkel nach Paris.
Das ist eine große Stadt in Frankreich.
Dort möchte sie eine weitere Schule besuchen.
Damit sie noch besser Klavier spielen lernt.

Aber sie bekommt nicht sofort einen Platz in der Schule.
Erst 2 Jahre später kann sie die Schule besuchen.
1910 beendet sie ihre Aus-Bildung als Pianistin.
Danach spiel Clara für viele Menschen Klavier.
Sie gibt Konzerte in vielen Städten.

Aber schon als Clara noch zur Schule geht,
hat sie oft Rücken-Schmerzen.
Die Ärzte sagen: Clara hat eine krumme Wirbel-Säule.

Sie kann nicht mehr so lange Klavier spielen,
denn der Rücken tut ihr oft sehr weh.
Sie kann keine Konzerte mehr spielen.

Clara muss in ein Kranken-Haus.
Weit weg von Paris.
Dort bekommt sie ein Gips-Korsett.
Das Korsett soll helfen,
dass die Wirbel-Säule wieder gerade wird.
Das ist eine sehr schmerzhafte Behandlung.
Und sie dauert sehr lange.

Später bekommt Clara ein anderes Korsett.
Nun kann sie sich wieder besser bewegen.
Sie kann wieder Klavier spielen.
Und auch wieder verreisen.
Sie besucht ihre Mutter und ihre Schwestern in Paris.
Aber die Mutter ist sehr krank.
Sie stirbt bald.

Clara gibt wieder Konzerte.
Zum Beispiel in der Schweiz.
Sie spielt Klavier für viele andere Menschen.
Das macht ihr großen Spaß.

Aber Clara geht es nicht gut.
Sie wird immer wieder krank.
Sie ist oft erkältet und hat Kopf-Schmerzen.

Dann kommt der 2. Welt-Krieg.
Clara muss Paris verlassen.
Sie zieht mit ihrer Schwester Jeanne erst nach Marseille.
Und nach Cannes.
Das sind 2 Städte in Frankreich.

1942 wird Clara wieder sehr krank.
Sie hat immer öfter starke Kopf-Schmerzen.
Und kann nicht mehr richtig sehen.

Die Ärzte sagen:
Clara hat einen Gehirn-Tumor.
Sie wird operiert.
Und es geht ihr wieder etwas besser.
Clara kann wieder Klavier spielen.

Später muss sie auch Frankreich verlassen.
Sie zieht in die Schweiz.
Und gibt wieder Konzerte in vielen Städten.
Nicht nur in der Schweiz, sondern auf der ganzen Welt.

Viele Menschen wollen sie hören.
Die Zeitungen schreiben über sie.
Clara wird eine berühmte Pianistin.

Die Zeitungen schreiben aber
nicht nur gute Sachen über Clara.
Sondern sie schreiben auch über ihre Behinderung.
Über ihren krummen Rücken und dass ihr die Haare ausfallen.

Clara schreibt ihrer Schwester einen Brief.
Sie schreibt,
dass ihr die Worte über ihre Behinderung nicht gefallen.
Und dass sie die Menschen für Schwach-Köpfe hält.
Die so etwas schreiben.

Clara Haskil stirbt am 6 Dezember 1960.

Sie stolpert auf einer Treppe.
Und fällt mit dem Kopf auf einen Stein.
Sie stirbt im Kranken-Haus.

Clara wird in Paris beerdigt.

 

Der Text in schwerer Sprache wurde geschrieben von Anneliese Mayer.
Der Text in Leichter Sprache wurde übersetzt von Andrea Tischner.

Bildnachweis:

Foto: Unbekannt, aus einem rumänischen Archiv (~1920) - public domain, gemeinfrei
wikimedia commons

Leichte-Sprache-Zeichnungen: Reinhild Kassing
Zur Webseite Leichte-Sprache-Bilder

 

Aus: WeiberZEIT Leicht gesagt Nr. 19, 2010, S. 12-14