In einer Bücherei in Hamburg
ist ein Raum mit Computern für
blinde und sehbehinderte Menschen.
Dieser Raum heißt Betty-Hirsch-Raum.
Heute kennt keiner mehr diesen Namen.
Wer war also diese Frau?
Betty Hirsch wird vor 130 Jahren geboren.
Ihr Vater ist ein sehr strenger Mann.
Betty und ihre sieben Geschwister
müssen immer gehorchen.
Betty fällt das sehr schwer
und so ist sie nicht sehr traurig als ihr Vater stirbt.
Da ist sie acht Jahre alt.
Mit 11 Jahren verändert sich ihr Leben.
Sie stürzt im Garten
und ein paar Tage später
entzünden sich ihre Augen.
Sie geht zu vielen Augen-Ärzten,
aber niemand kann ihr helfen.
Sie sieht immer schlechter
und nach sechs Jahren ist sie völlig blind.
Betty Hirsch wohnt dann noch
ein paar Jahre bei ihrer Mutter.
Sie will einfach nicht glauben,
dass sie für immer hilflos und abhängig ist.
Sie entschließt sich ihren eigenen Weg zu gehen.
Mit 21 Jahren geht sie noch einmal zur Schule,
dieses Mal auf eine Schule für Blinde.
Viele Berufe die sie danach anfängt
sind nicht das Richtige für sie.
Zum Beispiel arbeitet sie als Hilfs-Lehrerin für Kinder
und auch als Sängerin.
Sie strengt sich sehr an und ist aber nie zufrieden.
Dadurch wird sie sogar einmal sehr krank
Dann besucht sie einen Kurs in England,
um Sprachen zu lernen.
Sie muss wieder nach Deutschland
als der erste Weltkrieg ausbricht.
Auf der Fahrt dorthin hört sie im Zug
zum ersten Mal das Wort „Kriegs-Blinde“.
Das sind Männer, die im Krieg durch Verletzungen blind sind.
Eine Schule für Blinde
Zusammen mit einem Augen-Arzt
eröffnet sie in Berlin eine Schule
für diese Kriegsblinden.
Sie unterrichtet die Männer.
Sie zeigt ihnen wie sie es schaffen können
wieder in einem Beruf, zum Beispiel in einer Fabrik
oder auf einem Bauernhof, zu arbeiten.
Nach dem Krieg bildet sie blinde Männer
und auch blinde Frauen für Büro-Berufe aus.
Später unternimmt sie viele Reisen ins Ausland
und erzählt von ihrer Arbeit.
Mit 80 Jahren schreibt sie in einem Buch auf,
was sie alles erlebt hat.
Sie stirbt mit 84 Jahren.
Der Text in schwerer Sprache wurde geschrieben von Anneliese Mayer
Der Text in Leichter Sprache wurde übersetzt von Angelika Reitz.
Bildnachweis:
Portrait-Zeichnung: Brigitte Faber
Leichte-Sprache-Zeichnungen: Reinhild Kassing
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Aus: WeiberZEIT Leicht gesagt Nr. 01, 2003, S. 10