Foto: ein breites Gesicht mit markantem Kinn und großer Nase. Die mittelkurzen roten Haare sind in die Stirn gekämmt. Sie trägt eine schwarze Lederjacke mit rundem, hoch aufgestelltem Kragen. Sie lächelt in die Kamera. Im Hintergrund eine Wiese

Ahia Zemp (1953-2011)
Eine Kämpferin für Menschen-Rechte

Kurz vor Weihnachten 2011 gab es eine traurige Nachricht:
Aiha Zemp ist tot.
Aiha Zemp war eine wichtige Frau
für die Behinderten-Bewegung in der Schweiz.
Sie hat vielen Menschen Mut gemacht.
Nicht nur in der Schweiz.

Für viele kam die Nachricht von ihrem Tod überraschend.
Nur wenige Menschen wussten,
dass es ihr in der letzten Zeit nicht gut ging.

Aiha Zemp wurde am 26. August 1953
in einem kleinen Dorf in der Schweiz geboren.
Aiha kommt ohne Arme und Beine auf die Welt.
Schon früh erlebt sie,
dass Menschen mit Behinderung ungerecht behandelt werden.

Der Pfarrer will das Mädchen nicht taufen.
Weil ein behindertes Kind Unglück bringt.
Er sagt auch: das Kind darf nicht Maria heißen.
Denn dieser Name bedeutet: „die Kinder bekommt“.
Er glaubt ein behindertes Mädchen wird nie Kinder bekommen.
Die Eltern müssen einen neuen Namen für das Mädchen finden.
Es soll Therese heißen.
Als erwachsene Frau sucht sie sich selbst einen Namen aus:
Sie nennt sich Aiha.

In ihrem Dorf geht Aiha zum Kinder-Garten und in die Grund-Schule.
Damit man ihre Behinderung nicht so sieht,
bekommt das Mädchen Bein-Prothesen.
Schon als Kind soll sie lernen:
Der behinderte Körper ist nicht schön.
Aiha soll versuchen, normal auszusehen.
Aber Aiha kann sich mit den Prothesen nicht gut bewegen.

Nach der Grund-Schule geht Aiha auf ein Internat.
Aber dort geht es ihr nicht gut.
Die Lehrer wollen keine behinderten Kinder an der Schule.
Und eine Heim-Leiterin missbraucht Aiha sexuell.
Wegen diesen schlimmen Erlebnisse wird sexuelle Gewalt
später ein wichtiges Thema für die Arbeit von Aiha Zemp.

Als Aiha Zemp an eine andere Schule kommt, wird es besser für sie.
Sie macht ihren Schul-Abschluss
und danach wirft sie ihre Prothesen weg.
Sie lernt ihren Mann Wolfgang kennen und heiratet.
Außerdem fängt sie an zu studieren.

Auch die Behinderten-Politik wird in dieser Zeit wichtig für Aiha Zemp.
Sie arbeitet mit im Club Behinderter und ihrer Freunde.
Und sie arbeitet an dem Film Behinderte Liebe mit.
In dem Film geht es um Behinderung und Sexualität.
Über dieses Thema wurde damals fast nicht gesprochen.
Aiha Zemp arbeitet in vielen Frauen-Gruppen mit.

Nach dem 1. Studium studiert Aiha Zemp noch Psychologie.
Sie arbeitet danach als Psycho-Therapeutin.
Sie hilft Menschen mit psychischen Problemen.
Bei dieser Arbeit hört Aiha Zemp immer wieder
von sexueller Gewalt gegen Menschen mit Behinderung.
Sie macht immer wieder Schulungen und Weiter-Bildungen
über dieses Thema.

Für das Familien-Ministerium von Österreich
macht Aiha Zemp eine große Untersuchung.
Es geht um das Thema
Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit Behinderung.
Diese Untersuchung heißt: Weil alles weh tut mit Gewalt.
Aiha Zemp zeigt in dieser Untersuchung,
dass Frauen mit Behinderungen sehr oft Gewalt erleben.
Besonders viele Frauen in Einrichtungen.

Später macht Aiha Zemp noch eine Untersuchung
über Jungen und Männer mit Behinderung.
Aber diese Untersuchung ist nicht gedruckt worden.

Nach diesen Forschungs-Projekten zieht Aiha Zemp nach Ecuador.
Ecuador ist ein Land in Süd-Amerika.
Dort lebt sie in ihrem eigenen barriere-freien Haus.
Aber im Jahr 2003 geht Aiha Zemp wieder zurück in die Schweiz.
Sie leitet die Fach-Beratungs-Stelle für Behinderung und Sexualität.

Wegen einer schweren Knochen-Krankheit bekommt Aiha Zemp
sehr starke Schmerzen.
Auch Schmerz-Mittel helfen nicht mehr.
Deshalb muss sie mit ihrer Arbeit aufhören.

Aiha Zemp hat bis zum Schluss selbst über ihr Leben bestimmt.
Sie sich immer gewehrt,
wenn sie als Frau mit Behinderung ungerecht behandelt wurde.
Sie hat immer wieder neue Sachen ausprobiert.
So hat sie vielen Menschen Mut gemacht.

 

Der Text in schwerer Sprache wurde geschrieben von Anneliese Mayer.
Der Text in Leichter Sprache wurde übersetzt von Ricarda Kluge.
Geprüft wurde der Text von Anita Kühnel.

Bildnachweis:

Foto: Brigitte Faber

Leichte-Sprache-.Zeichnungen: Reinhild Kassing
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Aus: WeiberZEIT Leicht gesagt Nr. 21, 2012, S. 7-8