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Weibernetz e.V. - Politische Interessenvertretung behinderte Frauen

Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung

 

Einleitung

Gewaltschutz in der Behindertenrechtskonvention

repräsentative Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen in Deutschland"

Kommentar zur repräsentativen Studie: Raus aus der Opferrolle!

Checkliste des Weibernetz e.V. zum Erstellen eines Leitfadens zum Umgang mit (sexualisierter) Gewalt
für Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie bei ambulanten und teilstationären Diensten und Einrichtungen
Download der Checkliste

Positionspapier der Staatlichen Koordinierungsstelle nach Art. 33 UN-BRK: Frauen und Mädchen mit Behinderung besser vor Gewalt schützen
Download der Position

 


Einleitung

Frauen mit Behinderung erleben besonders häufig (sexualisierte) Gewalt in ihrem Leben. Das EU-Parlament geht davon aus, dass 80% der Frauen mit Behinderung bereits Gewalt erlebt haben. Sie seien doppelt so häufig betroffen wie nichtbehinderte Frauen. Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte repräsentative Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“ bestätigt die hohe Gewaltbetroffenheit. Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen waren im Lebensverlauf allen Formen von Gewalt deutlich häufiger ausgesetzt als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt.

Im Zusammenhang mit behinderten Frauen und Mädchen werden meist sexualisierte und strukturelle Gewalt thematisiert; häusliche Gewalt bislang eher selten benannt.

Zu den Tätern gehören Verwandte genauso wie (Pflege-)Personal, aber auch behinderte Mitschüler, Mitbewohner oder Kollegen. Nach jetzigem Kenntnisstand geht die Gewalt überwiegend von Männern aus.

Im Folgenden werden einige Hauptprobleme im Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung benannt.

Strukturelle Gewalt als Problem in Einrichtungen
In Einrichtungen der Behindertenhilfe ist es nur sehr begrenzt möglich, im Alltag selber über sein Leben zu bestimmen und Grenzen zu setzen. In der Regel können weder die Person, die bei der Intimpflege hilft, noch die Zeit und Zubereitung des Essens, gruppeninterne Tagesabläufe etc. bestimmt werden. Hinzu kommen Strukturen, wie nicht abschließbare Toiletten oder Duschen, fehlende Intimsphäre in Mehrbettzimmern und Umkleideräumen, fehlende Sexualaufklärung und Gewaltprävention.

Durch all diese Faktoren wird das Vorkommen von Gewalt im großen Maße begünstigt. Sei es durch Mitarbeiter in den Einrichtungen oder durch behinderte Kollegen, die Übergriffe und sexuelle Gewalt auf den Toiletten von Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) ausüben, um nur ein Beispiel zu nennen.

Frauenbeauftragte und Interventionspläne
Bewohnerinnen von Heimen, im betreuten Wohnen oder in WfbM wissen in der Regel nichts von Hilfesystemen außerhalb der Einrichtung. Sie werden sich deshalb auch eher selten an Frauenberatungsstellen wenden; es sei denn, es gibt bereits gute Kontakte zu den Beratungsstellen und Informationsmaterialien in leichter Sprache, die dem Heimbeirat oder dem Werkstattrat zur Verfügung stehen.
In sehr wenigen WfbM gibt es seit kurzem Frauenbeauftragte. Sie haben selber Lernschwierigkeiten, sind Mitarbeiterinnen in der WfbM und Ansprechpartnerinnen für ihre Kolleginnen.
Um Richtlinien zum Umgang mit Gewalt in Einrichtungen zu haben, werden verstärkt Präventions- und Interventionspläne für alle Einrichtungen der Behindertenhilfe gefordert. Diese sind erst sehr vereinzelt vorhanden.

Gewalt in der Pflege
Auch in der häuslichen Pflege kommt es immer wieder zu Übergriffen oder Gewalt in der Pflege, weshalb Organisationen behinderter Frauen seit langem ein Recht auf Wahl der Pflegeperson oder auch ein Recht auf Frauenpflege fordern.

Fehlende Signalerkennung und Hilfestrukturen
Die Probleme bei der Intervention bei Gewalterfahrungen sind ebenfalls sehr grundsätzlich: Im Gesundheitssystem werden Signale nach erlebter Gewalt häufig nicht erkannt, weil diese der Behinderung zugeschrieben werden. So werden beispielsweise blaue Flecken einem behinderungsbedingten Sturz zugeschrieben, ohne dass genau nachgefragt wird. Bettnässen oder weitere Signale gehören in die gleiche Rubrik.

Wenn die Gewalt erkannt wurde und Hilfe notwendig wird, befinden sich behinderte Frauen häufig in einem doppelten Dilemma. In der Behindertenhilfe fehlt es an Fachkräften, die sich mit dem Thema Gewalt auskennen. Erfahrene Psychotherapeutinnen fühlen sich als Beispiel häufig nicht in der Lage, mit behinderten Klientinnen zu arbeiten. Hier fehlt es noch an spezifischer Erfahrung, Austausch und guten Beispielen.

behindert heißt nicht widerstandsunfähig
In der Sexualstrafrechtsreform aus dem Jahr 2003 konnte u.a. erreicht werden, dass endlich das Strafmaß bei Vergewaltigungen gegen widerstandsunfähige Frauen angeglichen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Mindeststrafmaß bei Vergewaltigung einer widerstandsunfähigen Person nur halb so hoch.

So wichtig diese Gesetzesänderung – gerade auch behinderten Frauen – war: Frauen mit Behinderung sind nur in den seltensten Fällen widerstandsunfähig! Das müssen Beraterinnen, Prozessbegleiterinnen und vor allem Richter/innen wissen und berücksichtigen. „Widerstandsunfähig sind nach Auffassung des Bundesgerichtshofs (BGH) Menschen, die zum Tatzeitpunkt außer Stande sind, für sich zu entscheiden, ob sie die sexuellen Handlungen wollen oder nicht und deshalb keinen Widerstandswillen entwickeln können. Als widerstandsunfähig gelten nach dieser Definition insbesondere Menschen, die bewusstlos sind, schlafen oder unter erheblichem Drogeneinfluss stehen. Eine körperliche, seelische oder geistige Behinderung ist nicht mit einer Widerstandsunfähigkeit gleichzusetzen, denn sie beeinträchtigt nicht die Fähigkeit zur Willensbildung: Wer „Nein“ sagen und dieses auch in irgendeiner erkennbaren Form artikulieren kann, ist nicht widerstandsunfähig.“

Blick in die Geschichte und nach vorne
In der Bewegung behinderter Frauen ist (sexualisierte) Gewalt seit jeher eines der zentralen Themen. Im Folgenden werden nur einige wenige Schlaglichter auf Errungenschaften der letzten 30 Jahre geworfen.

Auf dem sogenannten Krüppeltribunal im Jahr 1981 wurde das erste Mal öffentlich die sexualisierte Gewalt gegen Frauen mit Behinderung „angeklagt“, indem Erlebnisse von Frauen in der Öffentlichkeit vorgelesen wurden. Damit begann ein Tabubruch, der u.a. von den damaligen Frauenzeitschriften Emma und Courage weiter getragen wurde. Es folgten Auseinandersetzungen um das Schönheitsideal und immer wieder die Forderung nach Anerkennung als Frau mit Behinderung, denn behinderte Menschen galten per se als sexuelle Neutren in der Gesellschaft.

In den 90er Jahren wurden viele Landesnetzwerke behinderter Frauen gegründet, die das Thema weiter trugen und Forderungen insbesondere nach Beratungsangeboten und Schutzmaßnahmen aufstellten. Gemeinsam mit WenDo-Trainerinnen wurden spezielle Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse für Frauen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen entwickelt und durchgeführt.

Bis heute gehört das Thema zu den wichtigsten Themen der Interessenvertretung behinderter Frauen und findet auch eigenständige Berücksichtigung im Aktionsplan II der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Erfreulicherweise gewinnt es immer mehr an Fahrt: Immer mehr Frauenberatungsstellen und Notrufe öffnen sich für Frauen und Mädchen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Frauenhäuser setzen sich, neben ihrem generellen Kampf um Gelder für den Erhalt der Häuser, für einen barrierefreien Zugang ein. Es gibt diverses Aufklärungsmaterial – auch in leichter Sprache – für behindere Frauen und Mädchen. Für Professionelle in der Behindertenhilfe gibt es Fortbildungen zum Umgang mit Gewalt. Im Aktionsplan II der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen waren Frauen und Mädchen mit Behinderung eine besondere Zielgruppe mit verschiedenen Maßnahmen, die inzwischen alle durchgeführt werden bzw. wurden. Vertreter/innen des Deutschen Behindertenrates arbeiten am Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch mit.

Dies sind zumindest einige Indizien dafür, dass wir nach 30 Jahren einige Schritte weiter gekommen sind und dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung kein Tabu mehr ist.

Doch leider bleibt immer noch viel zu tun. Für die Frauen, die – egal wo sie leben – Schutz vor Gewalt benötigen oder dringend Hilfe nach erlebter Gewalt brauchen, müssen noch viele Taten folgen.
Denn schließlich ist Gewalt kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem und der Schutz vor Gewalt ist kein freundliches Entgegenkommen, sondern ein Menschenrecht!

Martina Puschke

Stand: 2012



Verhinderung von Gewalt in der UN-Behindertenrechtskonvention

Seit März 2009 gilt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention, ein umfangreicher Menschenrechtskatalog zu nahezu allen Lebensbereichen behinderter Menschen. Diese Konvention schafft keine speziellen oder gar neuen Rechte, sie formuliert vielmehr bereits bestehende Menschenrechte mit Blick auf Menschen mit Behinderungen. Die Grundannahme in der Konvention geht dabei davon aus, dass Menschen mit Behinderung durch vielfältige Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehindert werden. Folgerichtig werden die Staaten aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen um Barrieren und Diskriminierung zu beseitigen und die Wahrnehmung aller Menschenrechte für Menschen mit Behinderung zu gewährleisten. Es sind nicht länger die Menschen mit Behinderungen, die sich an die „nichtbehinderte Welt“ anpassen müssen. Vielmehr müssen alle Lebensbereiche so gestaltet werden, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben und teilhaben – und somit auch vorhandene Angebote nutzen können.

An der Erstellung der Konvention bei den Vereinten Nationen in New York war die „Zielgruppe“ - Menschen mit Behinderungen - in weitaus größerem Umfang einbezogen, als dies bei vorherigen Menschenrechtskonventionen der Fall gewesen war. Und: sie wurden nicht als Bittsteller/innen und Empfänger/innen von Wohlwollen und Fürsorge wahrgenommen, sondern als Expert/innen in eigener Sache gehört und ernst genommen. Ihre Anregungen und Forderungen wurden in großem Umfang in die Konvention aufgenommen.

So gelang es Frauen mit Behinderungen durch aktives Einbringen auch, die Belange von Frauen in der Konvention sowohl in einem eigenen Artikel als auch innerhalb diverser anderer Artikel, zum Beispiel Artikel 16 Freiheit von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch, zu verankern.

Artikel 6 Frauen mit Behinderungen
(1) Die Vertragsstaaten anerkennen, dass Frauen und Mädchen mit Behinderungen mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt sind, und ergreifen in dieser Hinsicht Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass sie alle Menschenrechte und Grundfreiheiten voll und gleichberechtigt genießen können.

(2) Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen zur Sicherung der vollen Entfaltung, der Förderung und der Stärkung der Autonomie der Frauen, um zu garantieren, dass sie die in diesem Übereinkommen genannten Menschenrechte und Grundfreiheiten ausüben und genießen können.

Artikel 16 Freiheit von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch
(1) Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial-, Bildungs- und sonstigen Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Wohnung vor jeder Form von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch, einschließlich ihrer geschlechtsspezifischen Aspekte, zu schützen.

(2) Die Vertragsstaaten treffen außerdem alle geeigneten Maßnahmen, um jede Form von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch zu verhindern, indem sie unter anderem geeignete Formen von das Geschlecht und das Alter berücksichtigender Hilfe und Unterstützung für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien und Betreuungspersonen gewährleisten, einschließlich durch die Bereitstellung von Informationen und Aufklärung darüber, wie Fälle von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch verhindert, erkannt und angezeigt werden können. Die Vertragsstaaten sorgen dafür, dass Schutzdienste das Alter, das Geschlecht und die Behinderung der betroffenen Personen berücksichtigen.
(…)

(5) Die Vertragsstaaten schaffen wirksame Rechtsvorschriften und politische Konzepte, einschließlich solcher, die auf Frauen und Kinder ausgerichtet sind, um sicherzustellen, dass Fälle von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch gegenüber Menschen mit Behinderungen erkannt, untersucht und ggf. strafrechtlich verfolgt werden.

Brigitte Faber

Stand: 2012


Fast die Hälfte der Frauen mit Behinderung von Gewalt betroffen

Erste repräsentative Studie zum Vorkommen von Gewalt gegen Frauen mit Behinderung vorgelegt

Die Universität Bielefeld hat im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen in Deutschland“ erstellt. Über 1.500 Frauen wurden befragt, in Haushalten und in einer Zusatzbefragung in Einrichtungen.

Die Ergebnisse belegen, was Fachfrauen seit vielen Jahren befürchten und aus europäischen und internationalen Zusammenhängen wissen: Frauen und Mädchen mit Behinderung sind noch häufiger von allen Formen von Gewalt betroffen als nichtbehinderte Frauen.

(Stand: November 2011)

Link zur Kurzfassung der Studie


Frauen mit Behinderung: Raus aus der Opferrolle!

Kommentar zur ersten repräsentativen Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen in Deutschland“
von Martina Puschke, Weibernetz e.V.

„Report Mainz“ hat es vorgemacht und viele Tageszeitungen tuten ins gleiche Horn: Frauen mit Lernschwierigkeiten, die üblicherweise geistig behindert genannt werden, werden in Behinderteneinrichtungen missbraucht; sie werden als wehrlose Opfer dargestellt. So wird das Ergebnis der ersten repräsentativen Untersuchung, die das Vorkommen von Gewalt gegen Frauen mit Behinderung in Deutschland belegt, medial dargestellt. Skandalisiert und die Opferrolle manifestierend.

Und wie so oft hat diese Medaille zwei Seiten. Es ist ein Skandal, dass Frauen in Einrichtungen Gewalt erfahren. Und einerseits freuen wir uns als Politische Interessenvertretung behinderter Frauen, dass dies in der Öffentlichkeit endlich wahrgenommen wird. Die Bewegung behinderter Frauen thematisiert das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen mit Behinderung seit über 30 Jahren und fordert Gegenmaßnahmen und die Öffentlichkeit nimmt das Thema nicht auf. Andererseits würden wir uns eine differenziertere Berichterstattung wünschen. Denn nicht alle Frauen mit Behinderung leben in Einrichtungen und es stimmt wahrlich auch nicht, dass sie sich nicht wehren können!

Die erste repräsentative Studie, die von der Universität Bielefeld im Auftrag des Bundesfrauenministeriums erstellt wurde, war überfällig. In anderen europäischen Ländern belegten Untersuchungen bereits Ende der 1990er Jahren die hohe Gewaltbetroffenheit dieser vulnerablen Gruppe. Entsprechend hoch war die Hoffnung, endlich Zahlen zu erhalten, als 2004 die erste große repräsentative „Gewaltstudie“ ("Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland") erschien. Die Enttäuschung war jedoch groß, denn Frauen mit Behinderung wurden in dieser Untersuchung nicht berücksichtigt.
Weibernetz e.V. und die Landesnetzwerke behinderter Frauen forderten daraufhin eine Erhebung der Daten für Frauen mit Behinderung. Die Forderung fand schließlich Gehör beim Bundesfrauenministerium.

Nun im Jahr 2012 liegen die Zahlen schwarz auf weiß für Deutschland vor. Über 1.500 Frauen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen und Lebensbedingungen wurden befragt. Egal ob sie im eigenen Haushalt oder in einer Einrichtung für behinderte Menschen leben. Alle haben vermehrt Gewalt erlebt; in der Kindheit, im Jugend- und Erwachsenenalter.

Dank der differenzierten Haushalts- und Nachbefragung einzelner Gruppen wissen wir nun, dass gehörlose Frauen besonders häufig Gewalt erfahren, in Schulen und Einrichtungen für gehörlose Menschen, aber auch von Partnern. Wir wissen nun auch, dass blinde und mehrfachbehinderte Frauen ebenfalls sehr häufig verschiedene Formen von Gewalt erfahren. Und Frauen mit Lernschwierigkeiten, die in Wohnheimen wohnen oder beschützten Werkstätten arbeiten, haben ebenfalls ein höheres Risiko, Gewalt zu erfahren.

Wenn die Studie Ende April 2012 komplett vorliegt, werden wir sehr genau zielgerichteten Handlungsbedarf herausarbeiten können.

Eins wissen wir jedoch schon heute: Neben allem Fortbildungsbedarf von Personal, Leitlinien in Einrichtungen etc. müssen Frauen mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen, egal wo sie wohnen, gestärkt werden. Die Ergebnisse der Erhebung dürfen in der Öffentlichkeit nicht dazu führen, dass die Opferrolle von Frauen mit Behinderung manifestiert wird. Vielmehr muss mit unterschiedlichen Programmen gegengesteuert werden, dass sie selbstbestimmt und selbstbewusst ihre Grenzen erkennen und wahren können. Wie erfolgreich Frauen in Einrichtungen ihre Interessen selber wahrnehmen und ihre Kolleginnen stärken können, hat zum Beispiel das Projekt „Frauenbeauftragte in Einrichtungen“ gezeigt. In diesem wurden Frauen mit Lernschwierigkeiten für ihre Rolle als Frauenbeauftragte geschult.

Februar 2012