Ob Kinder oder keine entscheide auch ich alleine!

Weibernetz fordert sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung für Frauen mit Beeinträchtigungen

Im Vorfeld des Internationalen Frauentags fordert die Politische Interessenvertretung behinderter Frauen im Bundesnetzwerk Weibernetz e.V. eine Stärkung der sexuellen und reproduktiven Rechte für Frauen mit Beeinträchtigungen. Denn der alte Wahlspruch der Frauenbewegung „Ob Kinder oder keine, entscheide ich alleine!“ gilt für sie sehr häufig nicht, weil gesellschaftliche Strukturen dies oft verhindern.

Zum Internationalen Frauentag fordern Frauen und ihre Verbündeten Gleichberechtigung auf allen Ebenen. „Zwar sichern uns internationale Menschenrechtsabkommen und die deutsche Verfassung eine Gleichberechtigung der Geschlechter zu. De facto beobachten wir jedoch weltweit einen Backlash, indem Frauen- und Diversitymaßnahmen verstärkt zurückgenommen oder in Frage gestellt werden“ erklärt Beatrice Gómez, Referentin bei Weibernetz e.V.

Beispielhaft benennt Weibernetz e.V., dass Frauen mit Beeinträchtigungen gemäß Artikel 23 und 25 der UN-Behindertenrechtskonvention das gleiche Recht wie alle anderen Menschen auf sexuelle und reproduktive Gesundheit haben. Sie dürfen und sollen Entscheidungen über ihr Sexualleben, Partner*innenschaft und Familie selbstbestimmt treffen.

„In der Praxis sieht es bei uns in Deutschland jedoch ganz anders aus“ empört sich Beatrice Gómez und erläutert konkrete Mängel: „Flächendeckend vollumfänglich barrierefreie gynäkologische Praxen sind Mangelware und in ganz Deutschland gibt es lediglich 5 eingeschränkt barrierefreie gynäkologische Spezialambulanzen.
Auch bei Geburtsvorbereitungskursen sind uns bundesweit nur 2 barrierefreie Angebote bekannt. Wohn- und Unterstützungsmöglichkeiten für Mütter und Elternpaare mit Lernschwierigkeiten sind kaum vorhanden und das Selbstbestimmungsrecht für die Wahl von Verhütungsmethoden wird häufig untergraben, denn noch immer sind Frauen mit Lernschwierigkeiten 11 Mal häufiger sterilisiert als andere Frauen.
Das ist unerträglich und ein echtes Armutszeugnis für Deutschland!“

Um Abhilfe zu schaffen, fordert Weibernetz e.V. verschiedenste Ebenen auf, zu handeln:

  • Die Bundesregierung muss im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) private Anbieter*innen, zu denen auch Arztpraxen gehören, zu Barrierefreiheit verpflichten.
  • Geburtsvorbereitungskurse müssen flächendeckend vorgehalten werden. Hebammen und Anbieter*innen von Geburtsvorbereitungskursen müssen von den Krankenkassen zusätzliche Gelder für barrierefreie Angebote und die Möglichkeit, sich beeinträchtigungsspezifisches Wissen anzueignen, erhalten.
  • In allen Bundesländern müssen Wohn- und Unterstützungsangebote für Mütter und Eltern mit Lernschwierigkeiten in Form von begleiteter Elternschaft geschaffen werden.
  • Gesamtgesellschaftlich muss ableistischen Vorbehalten gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen hinsichtlich sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung entgegengewirkt werden.

Die bundesweite Politische Interessenvertretung behinderter Frauen im Weibernetz e.V. streitet für die Verbesserung der Lebenssituation von Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigung. Sie setzt sich gezielt für den Schutz vor Gewalt gegen Frauen mit Behinderung, Intersektionalität und gegen Sexismus und Ableismus ein.

V.i.S.d.P. Martina Puschke

 



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