von Heike Oldenburg
1849 in Manchester geboren, hatte besonders als ihr älterer Sohn an Tuberkulose starb, und auch sonst oft Depressionen auszuhalten. Sie hatte ein abwechslungsreiches Sowohl-als-auch-Leben. Burnett lebte abwechselnd sowohl in England als auch in den USA. Sie schrieb sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Ihr erster Roman erschien 1876 und war sofort erfolgreich. Die späteren Kinderbücher waren bekannter, besonders „Little Lord Fauntleroy/Der kleine Lord“ (1886), „A little Princess/Die kleine Prinzessin“ (1905) und „The Secret Garden/Der geheime Garten“ (1911). Ihre Bücher waren zum Teil autobiografisch nachzuvollziehen; der kleine Lord hatte zum Beispiel lange Locken, wie die beiden Söhne Burnetts. Der Lord ist ihrem Sohn Vivian nachempfunden.
Als Frances Hodgson Burnetts Vater starb, zog ihre Mutter mit ihr und den beiden älteren Brüdern und beiden jüngeren Schwestern nach Knoxville, Tennessee, im Jahre 1865 zu ihrem Bruder. Obwohl Burnett kaum Schulbildung hatte, liebte sie das Lesen und Schreiben. Sie konnte gut zum Familieneinkommen beitragen, indem sie ab 1868 für mehrere Frauenzeitschriften schrieb. Nach dem Tod der Mutter 1870 unterstützte Burnett ihre Geschwister. Es ging in ihren Geschichten hauptsächlich um arme Arbeiterinnen und romantische Liebesgeschichten. Auch ihr erstes Drama 1881 wurde ein Erfolg, das am längsten gespielte Theaterstück am Broadway im 19. Jahrhundert. Burnett betrieb Dienstag abends einen literarischen Salon in Washington, D.C. Sie war eine lebendige kommunikative Gastgeberin.
1873 ehelichte Hodgson den Arzt Dr. Swan Burnett. Ein Jahr später bekam sie Sohn Lionel, zwei Jahre später kam der jüngere Sohn Vivian (eigentlich hatte es eine Tochter werden sollen mit dem Namen Vivien). Nach einigen Monaten des Herumreisens in Europa kehrte die Familie nach Amerika zurück. Ab 1879 besuchte Burnett jährlich mit den Söhnen Europa.
Das dramatischste Kapitel in Burnetts Leben war der Tod ihres älteren Sohnes Lionel an Tuberkulose im Jahre 1890. Er hatte sich mit 11 Jahren infiziert und war zum Zeitpunkt des Todes erst 15 Jahre alt. Alle Heilungsversuche, unter anderem in deutschen Heilbädern, hatten nicht geholfen. Der Tod traf Burnett sehr. Sie bemerkte, dass alles Schreiben nichts sei gegen das Mutter-Sein. Eine tiefe lange Depression ergriff sie. Sie wandte sich dem Spiritualismus zu und der Christian Science. Dabei handelt es sich um eine religiöse Richtung, die davon ausgeht, aus der Bibel das „Gesetz des Guten“ und das christliche „System geistigen Heilens“ ableiten zu können.
Burnett war immer viel ehrenamtlich tätig. Sie verdiente mit dem Schreiben zeitweise mehr als ihr Mann mit seiner Praxis. Die Ehe hielt bis 1898. Nach der Scheidung von Dr. Burnett lebte die Schriftstellerin von 1898 bis 1907 in Great Maytham Hall in Kent, Südengland, einem feudalen prächtigen Landhaus. Sieben Jahre lang reiste Burnett zwischen Großbritannien und den USA hin und her. Sie ließ Stephen Townsend, ihren zehn Jahre jüngeren Stage Manager, mit nach Great Maytham Hall einziehen. Das fand der Pastor vor Ort skandalös. 1900 heiratete Burnett Townsend. Um diese Zeit soll sie „stark beleibt, übertrieben geschminkt und ungesund“ gewesen sein. Die Ehe erwies sich als Fehler; Burnett mietete ein Haus in London, um besser schreiben zu können und in guter Gesellschaft zu sein.
Als Burnett im Herbst 1902 einen Zusammenbruch hatte, ging sie im folgenden Winter in ein Sanatorium in Amerika. Im Jahr 1904 kam sie nach Great Maytham Hall zurück. Die weiten Gärten anbei sind berühmt dafür, Burnett inspiriert zu haben zu einem der beliebtesten Kinderbuch-Klassiker überhaupt, „The Secret Garden “. Der ummauerte Garten von 1721 (!) war, als er entdeckt wurde, vernachlässigt und verkommen. Später hat Burnett viele, viele Rosen gepflanzt und viel in dem Garten geschrieben.
In dem Klassiker „The Secret Garden “ erlebt die 10-jährige Mary als ungewolltes Kind Vernachlässigung. Sie war abgeschoben zu einer unfreundlichen Gouvernante. Wenn mensch solchermaßen abgeschoben ist und über Jahre vernachlässigt wird, kann das zu Trauma führen. So möglicherweise auch bei Mary. Nach dem Pesttod ihrer Eltern in Indien findet sie bei ihrem reichen Onkel in England Unterschlupf. Mary entdeckt auf eben beschriebene Weise den geheimen Garten. Später entdeckt sie den kränkelnden Sohn des Onkels, ihren Cousin Colin, der sehr schwach ist und als „Krüppel“ weggesperrt lebt (Sohn Lionel stand hierfür Pate.). Beide wurden schon auf den ersten Seiten als unliebenswert, widerspenstig, blass, dünn und hässlich dargestellt – ein absoluter Bruch mit kindlichen Held*innen bis dahin! Später erkennt Mary, dass Colin hysterisch-egozentrisch ist und bringt ihm durch beispielhaftes Vorleben bei, nicht so gemein zu anderen zu sein. Zusammen mit ihrem Freund Dickon, einem Arbeitersohn, bringt sie Colin in den Garten und beide helfen ihm, wieder Kraft und Mut zu gewinnen. Er genas durch magische Kräfte, die in dem Garten waren. Seine seit zehn Jahren tote Mutter hatte den Garten angelegt. Alle Personen im Buch sind „gute“ Menschen, höchstens mal von Theorien fehlgeleitet; die Mutter von Dickon gibt Essen ab, obwohl sie mit den vielen Kindern selbst so wenig hat. Sie schreibt auch an den viel reisenden Onkel mit der Bitte, heimzukommen. Der Onkel kehrt zurück von seinen traurigen Dauerreisen. Er hatte gehofft, auf den Reisen den Tod seiner Frau besser verkraften zu können. Erstaunt stellt er nach seiner Rückkehr fest, dass sein Sohn zum Laufen befähigt ist. Colin: „Yes, it was the garden that did it! Aren’t you glad?“1
In diesem zauberhaften Büchlein treten deutlich die theosophischen, das heißt mystisch-religiösen und spekulativ-naturphilosophischen Denkansätze zutage, die Burnett sich angeeignet hatte. Sie fasst die Welt als Entwicklung Gottes auf und glaubt, „dass Gott eins mit dem Kosmos und der Natur“ sei. „Das Göttliche … existiert in allen Dingen der Welt“.
Er ist dem Genre „Empfindsamkeit“ zuzurechnen. Burnett redet traumatische Folgen von Erziehung nicht schön, wie es häufig in Kinderbüchern geschieht. Mary und Colin sind keine romantischen Figuren. Es wird neben dem Trauma auch die Widerstandskraft bzw. Selbstheilungskräfte der Kinder dargestellt. Burnett schildert also den damals neuen Gedanken der Selbsthilfe unter Peers.2
Solche positiven Inhalte sind heutzutage „in“. Das Thema traumatischer Kindheitserfahrungen ist seit Aufkommen der Psychoanalyse zu Beginn des 20. Jahrhunderts Gegenstand medizinischer und psychologischer Forschung und Therapie sowie vielfältiger Selbsthilfegruppen.
Burnett nahm 1905 die amerikanische Staatsangehörigkeit an. Ab 1907/8 lebte sie im eigenen Haus in Long Island, gerade außerhalb von New York City. Ihr Sohn Vivian, der journalistisch tätig war, bat seine Mutter, Children's Magazine herauszugeben. Sie stimmte dem zu und veröffentlichte laufend selbst in dem Magazin. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges sah sie sich gezwungen, ihre jährlichen Reisen nach Kent einzustellen und sich auf Long Island fest einzurichten. Bis zu ihrem Tod im Oktober 1924 schrieb sie weiterhin viel und hatte Spaß mit ihren Enkeln. Burnett starb mit 74 Jahren.
Quellen
Frances Hodgson Burnett (1911): The Secret Garden, Retold and with Activities by Jane Bowie, Teen ELI Readers
Frances Hodgson Burnett (1911): The Secret Garden, AERIE Books Limited
Aus: WeiberZEIT Nr. 30 Oktober 2016, Seite 9-10
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