Oft wird Ableismus mit Behindertenfeindlichkeit gleichgesetzt, aber Ableismus geht weit über Feindlichkeit in Form von Gewalt, offensichtlicher Diskriminierung oder Ablehnung hinaus und kann auch vermeintlich positiv daher kommen. Die Wurzeln von Ableismus liegen in Wahrnehmungs- und Erwartungshaltungen an Menschen mit Beeinträchtigungen und der Frage, wie gesellschaftliche Normalität konstruiert und definiert wird.
Zudem wird Ableismus gefüttert durch subjektive Erfahrungen, mediale Falschdarstellungen oder einfach Unwissenheit. Zum Beispiel wenn angenommen wird, dass eine Frau an ihren Rollstuhl „gefesselt“ sei, oder dass sie unglaublich leide und trotz ihrer Behinderung ihren Alltag meistert, sie als Heldin gefeiert wird oder nach Äußerung eines Partner- und Kinderwunschs bei Angehörigen nicht ernst genommen und übergangen wird.
Beispiele für „gut gemeinten Ableismus“ wären:
„Für mich spielt deine Behinderung gar keine Rolle“.
„Dass Du trotz Deiner Gehbehinderung so gut läufst…“
„Wie Du das schaffst: Mutter als Rollstuhlfahrerin. Das bekomme ich ja kaum hin. Toll!“
Aber Ableismus verkennt eben auch häufig Kompetenzen. Folgende Gedankenexperimente verdeutlichen dies: Welche bekommt die Rechnung im Restaurant: Die Frau mit Sprachbehinderung oder ihre Begleitung? Und welche Rolle wird einer Frau im Rollstuhl in der Uni eher zugesprochen: Der Seminarteilnehmerin oder der Professorin?
Genauso ableistisch ist es, wenn Menschen mit Lernschwierigkeiten ohne Ausprobieren des allgemeinen Arbeitsmarktes sofort in die Werkstatt für behinderte Menschen verwiesen werden.
Hinzu kommt, dass Ableismus häufig eine vermeintliche Opferrolle manifestiert. Zum Beispiel wird blinden Frauen oft gesagt: „Du kannst Dich nicht wehren, denn Du kannst die angreifende Person nicht sehen“. Oder tauben Frauen wird früh gelehrt: „Du kannst Dich nicht wehren, denn Du kannst nicht nach Hilfe rufen“.
Übrigens: Auch das Fehlen von Barrierefreiheit ist ableistisch. Gebäude, die ausschließlich über Stufen erreichbar sind, Infos ausschließlich in Alltagssprache, dauerhaft fehlende Gebärdensprache etc. orientiert sich an den Fähigkeiten der Mehrheitsgesellschaft und schließen in der Folge andere aus.