Intersektionale Überschneidungen von Sexismus und Ableismus

Wo erlebt Ihr als Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigungen Sexismus und Ableismus? Oder als Trans*Personen? Oder als nichtbinäre oder Intersexuelle Personen mit Beeinträchtigungen? Einige Beispiele…

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Wo erlebt Ihr als Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigungen Sexismus und Ableismus? Oder als Trans*Personen? Oder als nichtbinäre oder Intersexuelle Personen mit Beeinträchtigungen?

Viele der nachgenannten Beispiele klingen platt, als wären sie aus längst vergangenen Zeiten und als würde „so etwas“ heute nicht mehr vorkommen in unserer aufgeklärten Zeit. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wir bei Weibernetz sehen, dass in den letzten Jahrzehnten schon viel erreicht wurde in Sachen Gleichberechtigung. Gleichzeitig wird uns in den Netzwerken wieder vermehrt von Sexismus und ableistischen Ansichten berichtet.

Einige Beispiel aus der Praxis:

  • Frauen mit einer offensichtlichen Beeinträchtigung werden häufig nicht als potenzielle Partnerin gesehen. Aussprüche wie diese sind nicht selten: „Ich habe nichts gegen behinderte Frauen, aber daten will ich keine!“
  • Mit dem gängigen, teils sexistischen Schönheitsideal konfrontiert, erleben Mädchen und Frauen mit einer sichtbaren Körperbehinderung auch schon mal den Ausspruch: „Na wenigstens hat sie schöne Augen und ein schönes Gesicht…“
  • Viele Frauen mit Beeinträchtigungen, insbesondere Frauen mit Lernschwierigkeiten, berichten, dass ihnen eine Mutterrolle abgesprochen werden soll und mit Vorurteilen konfrontiert werden: „Sie kann ja nicht einmal für sich selber sorgen. Wie will sie da Verantwortung für ein Kind übernehmen?“
  • Auch im beruflichen Kontext gibt es sexistische Aussprüche gepaart mit Ableismus, indem die fachliche Kompetenz angezweifelt wird: „Ich lass mich doch nicht von so einer beraten!“ (Situation einer Rechtsanwältin)
  • Dass Frauen mit Beeinträchtigungen im Job häufig mehr leisten als ihre Kolleg*innen, um in ihrer Position anerkannt zu werden, berichten viele. Sie sind froh, den Job bekommen zu haben und wollen für eine Aufstiegschance auf keinen Fall (behinderungsbedingt) zu wenig Leistung bringen.
  • Dass sie bei gleicher Qualifikation bei Mitbewerbung eines männlichen Kollegen mit (einer ähnlichen) Beeinträchtigung das Nachsehen haben und entsprechend häufiger erwerbslos sind als nichtbehinderte Frauen und behinderte Männer, ist ebenfalls Fakt. Weil sie Frauen sind und weil sie behindert werden.
  • Altersarmut von Frauen mit Beeinträchtigungen ist letztlich häufig auch ein Resultat aus strukturellem Sexismus gepaart mit Ableismus.
  • Auch der Fakt, dass Frauen mit Beeinträchtigungen häufiger sexualisierte Gewalt erleben, basiert auf Sexismus und Ableismus.
  • Dass Ärzt*innen Warnsignale infolge von Gewalterfahrungen wie plötzliches Bettnässen, depressive Verstimmungen etc. teils immer noch der Beeinträchtigung zuordnen ohne mögliche Gewalterlebnisse in Betracht zu ziehen: „Hat sie mal wieder eingenässt? Ja, das kann schon mal vorkommen…“ ist auch ableistisch und sexistisch.
  • Wenn von Sexarbeiterinnen mit Beeinträchtigungen berichtet wird, wird häufig gekontert: „Was; echt jetzt?? Wer will denn mit so einer?“
  • Häufig überschneiden sich auch weitere Intersektionen und Frauen erleben gemeinsam sexistische, ableistische und rassistische Anfeindungen. Wenn zum Beispiel einer Rollstuhlnutzerin mit indischen Wurzeln hinterhergerufen wird: „Guck mal, Currymöpse auf Rädern!“
  • Eine lesbische Rollstuhlnutzerin mit Assistenzbedarf hat schon mal die Erfahrung gemacht, dass ein Fahrer eines Fahrdienstes für behinderte Menschen sie nicht aus einer queeren Szenekneipe abholen wollte: „Ich wusste ja gar nicht, dass Du so eine bist. In den Schuppen kriegste mich nicht rein“.
  • Trans*Personen mit Beeinträchtigungen erleben häufig, dass sie nicht ernst genommen werden: „Jetzt reicht es nicht, dass sie schon behindert ist und will sich noch interessanter machen und plötzlich als Mann leben…“

Sexistische, ableistische und weitere Diskriminierungen sind nicht in Ordnung!

Hilfe und Unterstützung gibt es bei verschiedenen Beratungsstellen.

Eine Übersicht gibt es auf der Web-Seite des Bündnis "Gemeinsam gegen Sexismus"


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