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Weibernetz e.V. - Politische Interessenvertretung behinderte Frauen

Schönheitsideale

 

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Schönheitsideale und behinderte Frauen

Pro und Contra Interview zum ersten Modelcontest für behinderte Frauen aus der Zeitschrift EMMA Nr. 5, 2004

Schönheitsideale und behinderte Frauen

Gesellschaftliche Schönheitsnormen wandeln sich. Sie bestehen in jeder Kultur und seit den unterschiedlichsten Epochen. Die gesellschaftliche Akzeptanz einer Frau wird immer auch an dem Kriterium „Schönheit“ gemessen.

In der Bewegung behinderter Frauen wird die Diskussion um Schönheitsideale seit ihrem Bestehen geführt. In den 80er Jahren zu Zeiten der selbsternannten Krüppelfrauengruppen waren sich engagierte Frauen einig, dass sie nicht in die bestehende Schönheitsnormen passen und dies auch gar nicht wollen. Aus dieser Zeit stammen Slogans wie „Krüppelsein passt in keine Mode!“

Gleichzeitig wurden jedoch nach wie vor Schminkkurse für blinde Frauen angeboten und Nähkurse und Schnittmuster für körperbehinderte Frauen, die ihre kurzen Arme, Beinschienen oder Buckel kaschieren wollten bzw. sollten.

In den seltensten Fällen wurden und werden behinderte Frauen gefragt, ob sie ihre Behinderung verstecken wollen. „Hauptsache durch die Behinderung nicht auffallen!“ ist für das Wohlbefinden und die Akzeptanz vieler Frauen sehr wichtig. Das wundert uns nicht. Denn in Zeiten, in denen im Fernsehen und in Zeitschriften selbst Bilder von Models derart verändert werden, dass kein Gramm Fett, keine Bauch- und Lachfalte zu sehen sind, müssen Frauen Komplexe über ihr Aussehen bekommen. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele junge Frauen Essprobleme haben und magersüchtig werden.

Wir vom Weibernetz finden, dass sich keine Frau verstecken muss. Behinderte Frauen sind schön. Und zwar nicht „trotz der Behinderung“ und „obwohl sie diesen oder jenen Makel hat“. Wir müssen keiner Schönheitsnorm hinterher eifern. Vielmehr sollten sich Frauen verbünden und selbstbewusst zeigen, wie vielfältig Schönheit ist.

Entsprechend hinterfragen wir auch die Durchführung des ersten Schönheitswettbewerbs für Frauen im Rollstuhl durch die Zeitschrift Partizip kritisch. Denn

  1. werden durch diesen Wettbewerb die Normen nicht durchbrochen
  2. wird die öffentliche Akzeptanz behinderter Frauen durch diesen Wettbewerb nicht steigen. Er ist eher kontraproduktiv, denn behinderte Frauen werden in zwei Gruppen gespalten: in die, die durchaus noch als „schön“ gelten und damit in der Gesellschaft akzeptiert werden und diejenigen, die in keiner Weise der Norm genügen und hinten über fallen.

Martina Puschke
September 2004

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