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Weibernetz e.V. - Politische Interessenvertretung behinderte Frauen

Pressemeldungen von 2004

Gewalt gegen behinderte Frauen: Sparwelle verhindert Prävention vom 24. November 2004

Behinderte Frauen verabschieden ihre Agenda vom 2. Oktober 2004

Behinderte Frauen zwischen Anpassung und Protest vom 1. Oktober 2004

Behinderte Frauen entwickeln sozialpolitische Perspektiven vom 28. September 2004

Behinderte Frauen beklagen unsoziale Sozialgesetze“ vom 15. Juni 2004

Weibernetz ruft auf: Behinderte Mädchen nutzt den Girls Day! vom 10. März 2004

Chronisch kranke Frauen bleiben bei der Gesundheitsreform auf der Strecke, vom 5. März 2004


Gewalt gegen behinderte Frauen: Sparwelle verhindert Prävention vom 24. November 2004

Die Politische Interessenvertretung behinderter Frauen des Weibernetz e.V. warnt anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November vor Auswirkungen der politischen Sparwelle für behinderte Frauen. Von den aktuellen Kürzungen der Länder und Kommunen sind insbesondere auch Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen betroffen. Viele Häuser werden sogar ganz geschlossen. Indem öffentliche Schutzräume wegfallen, wird Gewalt gegen Frauen wieder zum persönlichen Problem.

"Wenn in Frauenhäusern und Beratungsstellen Gelder gekürzt oder sogar komplett gestrichen werden, wird der positive Trend des Ausbaus barrierefreier Beratungsangebote für behinderte Frauen ins Stocken geraten. Wenn Beratungsstellen und Frauenhäuser um ihre Existenz kämpfen müssen, bleiben keine Ressourcen mehr für eine Erweiterung ihrer Angebote für behinderte Frauen. Dies ist ein Rückschritt der Interventionsarbeit" erläutert Bärbel Mickler vom Vorstand des Bundesnetzwerks Weibernetz e.V.

In Deutschland leben ca. 4 Mio. Frauen mit Behinderung. Dass mehr als 60% der behinderten Frauen in Deutschland, die in Einrichtungen leben, von sexualisierter Gewalt betroffen sind, belegen diverse Studien. Für diese Frauen sind Anlaufstellen außerhalb der Einrichtung besonders wichtig, denn zur Aufdeckung der Gewalt ist eine Aufklärung und Unterstützung außerhalb des Systems notwendig. "Die Zusammenarbeit von Einrichtungen der Behindertenhilfe mit Notruf- und Beratungsstellen hat erst vor wenigen Jahren angefangen. Wenn jetzt die Personalstellen in den Beratungsstellen gekürzt werden, bleibt keine Zeit mehr für intensive Kontakte mit behinderten Frauen" befürchtet Mickler abschließend.

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Behinderte Frauen verabschieden ihre Agenda vom 2. Oktober 2004

Ca. 100 Teilnehmerinnen mit unterschiedlichen Behinderungen verabschiedeten auf der Jahrestagung der politischen Interessenvertretung behinderter Frauen des Weibernetz e.V. ihre Agenda für die nächsten Jahre.

"Wir wollen diese Agenda der derzeitigen Sozialpolitik entgegensetzen" erläutert Magdalene Ossege vom Vorstand des Weibernetz e.V. In dem 11-Punkte Plan der Agenda geht es um folgende Themenfelder:

  1. Nachteilsausgleiche und Zugang zu allen sozialen Leistungen unabhängig von Erwerbstätigkeit
  2. Bedarfsdeckende Assistenz für jede Frau mit Behinderung, einkommens- und vermögensunabhängig
  3. Bedarfsgerechtes Persönliches Budget, einkommens- und vermögensunabhängig.
  4. Prävention von Sexismus, Rassismus, Gewalt und Diskriminierung als Verpflichtung des Staates
  5. Barrierefreie Gesundheitsversorgung für behinderte Frauen
  6. Barrierefreie Freizeiteinrichtungen und barrierefreie Frauenangebote (in Schwimmbädern etc)
  7. Kein Leben in Einrichtungen gegen den Willen Einzelner
  8. Behinderte Menschen müssen ihre Rechte kennen. Die Rechte müssen in leichter Sprache, in Braille etc vorhanden sein.
  9. Finanzierung der Fortbildung und Qualifizierung von MitarbeiterInnen und Bewohnerinnen in Einrichtungen zur Unterstützung der Selbstbestimmung behinderter Frauen durch behinderte Frauen
  10. Einsetzen von Behindertenbeauftragten in ländlichen Regionen
  11. Einlösung der sozialen Verantwortung der Wirtschaft

Die Tagung des Weibernetz e.V. fand vom 30.9.-2.10.2004 im Hotel am See in Rheinsberg mit freundlicher Finanzierung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend statt.

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Behinderte Frauen zwischen Anpassung und Protest vom 1. Oktober 2004

Das Projekt "Politische Interessenvertretung behinderter Frauen" des Weibernetz e.V. hat Frauen mit Behinderung aus dem gesamten Bundesgebiet nach Rheinsberg in Brandenburg eingeladen, um gemeinsam am 1. und 2. Oktober sozialpolitische Perspektiven zu entwickeln. Eröffnet wird die bundesweite Tagung heute vom Behindertenbeauftragten aus Brandenburg, Rainer Kluge; finanziert wird sie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

"Im Hotel am See in Rheinsberg wollen wir nicht jammern und klagen. Vielmehr wollen wir schauen, welche gesellschaftlichen Perspektiven wir aus Sicht behinderter Frauen sehen. Es werden zum Beispiel ca. 30 Frauen kommen, die täglich persönliche Assistenz benötigen. Wie ihre Zukunft in Zeiten der Sparpolitik aussehen kann, ist ein wichtiges Thema der Tagung. Ein weiteres ist die Auseinandersetzung um Hartz IV. Aber auch positive Ausblicke wird es auf der Tagung geben. Zum Beispiel wird eine Plakatkampagne geplant" erläutert Magdalene Ossege vom Vorstand des Weibernetz e.V.

Hinter dem Verein Weibernetz e.V. - Bundesnetzwerk von FrauenLesben und Mädchen mit Beeinträchtigung verbirgt sich die bundesweit anerkannte politische Interessenvertretung behinderter Frauen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert die Interessenvertretung mit einem dreijährigen Projekt zur Umsetzung behindertenpolitischer Gesetze, wie dem Sozialgesetzbuch Neuntes Buch und dem Bundesgleichstellungsgesetz. Dies sind die ersten Gesetze in Deutschland, die spezielle Regelungen zum Abbau der Benachteiligung der ca. 4 Mio. behinderten Frauen, die in Deutschland leben, vorsehen. Dazu gehören z.B. wohnortnahe und in Teilzeit auszuführende Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation sowie die Möglichkeit von Frauenfördermaßnahmen.

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Behinderte Frauen entwickeln sozialpolitische Perspektiven vom 28. September 2004

Das Projekt "Politische Interessenvertretung behinderter Frauen" des Weibernetz e.V. veranstaltet am 1. und 2. Oktober 2004 eine bundesweite Frauentagung in Rheinsberg. Die Veranstaltung mit dem Titel "Zwischen Anpassung und Protest - Wege behinderter Frauen" wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert.

"In Zeiten der Sozialreformen, der angespannten Arbeitsmarktpolitik und des Gender Mainstreamings stehen nach 20-jährigem Bestehen der Bewegung behinderter Frauen neue Diskussionen an" erläutert Martina Puschke vom Weibernetz e.V. Entsprechend wird es in Workshops um folgende Fragen gehen: Wie sind unsere Vorstellungen von einer sozialen Politik? Wie wollen wir in der Öffentlichkeit gesehen werden? Wie sehen frauengerechte Perspektiven für die Persönliche Assistenz aus? Das gesamte Tagungsprogramm ist unter www.weibernetz.de einsehbar.

Wir laden Sie hiermit herzlich zur Eröffnung der Tagung am 1. Oktober 2004 um 9.30 Uhr im Haus Rheinsberg, Hotel am See, Donnersmarckweg 1, 16831 Rheinsberg ein.

Im Eröffnungsprogramm sind vorgesehen:

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Behinderte Frauen beklagen unsoziale Sozialgesetze“ vom 15. Juni 2004

Das Resumée des Weiterbildungsseminars der Politische Interessenvertretung behinderter Frauen des Weibernetz e.V. ist eindeutig: „Frauen, insbesondere behinderte Frauen müssen sich in den nächsten Monaten warm anziehen, wenn die Sozialhilfereform und die Hartz-Konzepte in Kraft treten“, leitete die Juristin Julia Zinsmeister ihren Vortrag passend ein. Das Bundesnetzwerk von FrauenLesben und Mädchen mit Beeinträchtigung – Weibernetz e.V. hatte zu einer zweitägigen Weiterbildung über die Auswirkungen der neuen „Sozialgesetze“ für behinderte Frauen nach Kassel eingeladen.

„Indem mit dem SGB II und dem SGB XII der Niedriglohnsektor forciert wird, werden die vor allem von Frauen besetzten Teilzeitarbeitsplätze bedroht und Frauen zudem noch stärker auf das Einkommen ihres Partners/ihrer Partnerin verwiesen. Für behinderte Frauen bedeutet dies eine besondere Härte. Sie sind aufgrund von Vorurteilen bereits jetzt im Erwerbsleben besonders benachteiligt. Aufgrund ihrer Behinderungen sind sie finanziell besonders belastet“ erläutert Zinsmeister.

Die Teilnehmerinnen – behinderte Beraterinnen und Multiplikatorinnen aus dem gesamten Bundesgebiet - können die soziale Härte der Gesetzestexte noch gar nicht fassen. „Mit den neuen gesetzlichen Grundlagen werden sie und ihre Familien noch stärker in die Armut getrieben werden“ befürchtet Ulrike Jährig vom Vorstand des Weibernetz e.V.

Vor allem alleinerziehende Mütter, egal ob mit oder ohne Behinderung, sind die großen Verliererinnen der neuen Sozialgesetzgebung. Wenn ihre Kinder älter als drei Jahre sind, müssen sie mit der Regelung des Arbeitslosengeldes II jede Arbeit annehmen. Unklar ist jedoch, wie sich Mutter und Kind(er) ggf. mit einem Minijob finanzieren sollen. Hinzu kommt, dass das Kindergeld bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes II einberechnet wird. „Somit erfüllt das Gesetz die Vorgaben des Gender Mainstreamings nicht“ urteilen die Teilnehmerinnen der Weiterbildung und Ulrike Jährig.

V.i.S.d.P.: Martina Puschke

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Presseerklärung 10. März 2004
Weibernetz ruft auf: Behinderte Mädchen nutzt den Girls Day!

Die politische Interessenvertretung behinderter Frauen des Weibernetz e.V. startet heute in Kassel den Aufruf für Mädchen mit Behinderungen, verstärkt den Girls Day zu nutzen. Für behinderte Mädchen ist die Teilnahme an diesem Aktionstag, der dieses Mal am 22. April 2004 stattfindet, besonders wichtig, wie Martina Puschke, Projektkoordinatorin im Weibernetz erklärt. "Junge behinderte Frauen landen häufig in wenig zukunftssicheren und niedrig bezahlten Berufsfeldern. Frauen mit Lernschwierigkeiten werden überwiegend dahingehend beraten, im hauswirtschaftlichen Bereich zu lernen. Jungen Frauen im Rollstuhl rät man überwiegend zur Büroarbeit. Sich in anderen Berufsfeldern auszuprobieren ist daher besonders wichtig".

Der Girls Day gibt Mädchen die Chance, in einen Betrieb hereinzuschnuppern, um z.B. technische oder naturwissenschaftliche Berufsfelder kennen zu lernen. Zum bundesweiten Aktionstag aufgerufen hat das Bundesministerium für Bildung und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In diesem Jahr gibt es mehr als 52.000 Plätze in Betrieben, die am 22. April für Mädchen ihre Pforten öffnen.

Nach Ansicht des Weibernetz ist der Girls Day für Mädchen mit Behinderungen dreifach sinnvoll: "1. Behinderte Mädchen können in zukunftssichere Bereiche der Berufswelt hereinschnuppern. 2. Sie können ausprobieren, wie sie mit ihrer Behinderung in dem Betrieb zurecht kommen. 3. Der Betrieb sammelt Erfahrungen mit behinderten Mädchen, um diese später einzustellen" erläutert Puschke.

Zum Auftakt der Aktion gibt es Erläuterungen zum Aktionstag und Plakate, die besonders behinderte Mädchen und ihre Lehrerinnen und Lehrer auf den Zukunftstag aufmerksam machen sollen. Nähere Informationen zum Aufruf des Weibernetz gibt es unter www.weibernetz.de. Zum Aktionstag unter www.girls-day.de.

V.i.s.d.P.: Martina Puschke

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Chronisch kranke Frauen bleiben bei der Gesundheitsreform auf der Strecke, vom 5. März 2004

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März erklärt die politische Interessenvertretung behinderter Frauen des Weibernetz e.V., dass die Auswirkungen der Gesundheitsreform behinderte und chronisch kranke Frauen besonders hart treffen. Da Frauen häufiger die Familienarbeit erledigen, weniger verdienen und das Schlusslicht auf dem Arbeitsmarkt bilden, verfügen sie über weniger Geld. Die neuen Zuzahlungsverpflichtungen treffen sie daher besonders hart.

"Täglich melden sich behinderte und chronisch kranke Frauen bei uns und berichten, dass sie bereits in den ersten beiden Monaten des Jahres die zulässigen 1% ihres Jahreseinkommens vorgestreckt haben. Da sind die Medikamente, die sie dringend brauchen und die nun nicht mehr verschreibungspflichtig und daher selbst zu zahlen sind, noch nicht berücksichtigt" erklärt Brigitte Faber vom Weibernetz und Patientenvertreterin im Gemeinsamen Bundesausschuss.

Entsprechend lautet die Forderung des Weibernetz: Erforderliche Medikamente müssen weiterhin verschrieben und von den Kassen bezahlt werden! "Dass die Medikamente nicht mehr verschrieben werden müssen, heißt ja nicht, dass sie nicht weiter verschrieben werden können, zumal wenn die Patienten und Patientinnen sie dringend brauchen", so Faber weiter.

Der engagierten selber behinderten Mitarbeiterin im Weibernetz drückt aber noch woanders der Schuh: "Während politisch sehr wohl durchgesetzt wird, dass chronisch kranke Menschen vierteljährlich zum Arzt oder zur Ärztin gehen müssen, scheint es auf der anderen Seite nicht möglich zu sein, dafür zu sorgen, dass Arztpraxen vermehrt barrierefrei werden" ärgert sich Brigitte Faber und fordert: "Hier muss dringend was passieren! Denn so haben behinderte Frauen z.B. nicht die Wahl, zu welcher Frauenärztin sie gehen. Sie müssen schauen, in welche Praxis sie überhaupt rein kommen".

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