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Weibernetz e.V. - Politische Interessenvertretung behinderte Frauen

Lesben mit Behinderung

Lesben mit Behinderung gehören mindestens zwei Gruppierungen an, die im Alltag immer wieder Diskriminierungen erfahren. Während sie ihre Behinderung häufig nicht verstecken können, leben viele Frauen ihr Lesbisch-Sein aus Angst vor zusätzlichen Diskriminierungen nicht offen. Sie haben Angst, sich "zu outen" und halten Ihr Lesbisch-Sein geheim.

Um offen als Lesbe (mit oder ohne Behinderung) zu leben, sind Räume speziell für Lesben sehr wichtig. Hier können sie sich so geben, wie sie sind. Hier brauchen sie keine Angst vor dummen Sprüchen haben, wenn sie ihre Liebste küssen und umarmen. Oft sind Räume in der Lesbenzszene jedoch nicht barrierefrei. Sie können von vielen Lesben mit Behinderung, behinderte Lesben oder auch "Krüppellesben" wie sich einige provokant selber nennen, nicht genutzt werden. Zum Glück ändert sich das Verständnis langsam und große Treffen wie das jährliche Lesbenfrühlingstreffen öffnen sich zunehmend für die Bedürfnisse behinderter Lesben.

Nach wie vor tabuisiert wird das Lesbisch-Sein in vielen Einrichtungen der Behindertenhilfe. Erst sehr langsam wird sich dem Thema Sexualität angenähert. Lesbisch- oder Schwul-Sein wird erst sehr selten thematisiert. Das muss sich ändern!

Martina Puschke
Dezember 2005

Nützliche Adressen für behinderte Lesben

Die Situation psychiatrieerfahrener Lesben - Probleme und mögliche Strategien zur Bewältigung

Nützliche Adressen für behinderte Lesben:

Bundesweite Organisationen

Krüppel-Lesben-Netzwerk
c/o Gesa Teichert
Pfannmüllerweg 42
64289 Darmstadt
(bundesweites Netzwerk zum Austausch; Adressenliste)

Jugendnetzwerk Lambda e.V.
Referat für Jugendliche mit Behinderungen
Berliner Ring 12
23843 Bad Oldesloe
e-mail: JAB@lambda-online.de
www.lambda-online.de
(bundesweites Netzwerk, auch für junge Lesben und Schwule mit Behinderung mit Infos, barrierefreie Jugendreisen, lesbisch-schwules Sommercamp)

Lesbenfrühling e.V.
Dach für das jährliche Lesbenfrühlingstreffen
c/o Intervention
Glashüttenstr. 2
20357 Hamburg
e-mail: verein@lesbenfruehling.de
www.lesbenfruehling.de
(Organisation des jährlichen Lesbenfrühlingstreffens in verschiedenen Städten, spezielle Angebote für behinderte Lesben)

Bundesverband der Gehörlosen Lesben und Schwulen e.V. (BGLS)
Bundesgeschäftsstelle
Zirkusweg 11
20359 Hamburg
Fax 0 40 / 31 79 22 43 oder 040 / 31 79 69 35
e-mail: bgls@gmx.com

Gruppenangebote in verschiedenen Städten

"Vernetzungsgruppe behinderter Lesben" in Berlin
c/o RuT, Rad und Tat e.V.
Schillerpromenade 1
12049 Berlin
Tel.: 030/621 47 53
e-mail: radundtatberlin@arcor.de
www.LesbischeInitiativeRuT.de
(Treffen zum Austausch, Veranstaltungen, "Vernetzungsgruppe Behinderter Lesben" sind Kooperationsveranstaltungen von Lesbenberatung e.V., Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V. und RuT - Rad und Tat e.V.)

Gehörlosen-FrauenLesbengruppe "Die Hexenhände" in Bremen
Kontakt über Chris: Fax 0421/371490
(Erfahrungsaustausch, Öffentlichkeitsarbeit)

"Krüppellesbengruppe" in Hessen
c/o Hessisches Netzwerk behinderter Frauen
Kölnische Str. 99
34119 Kassel
e-mail: hessisches_netzwerk@fab-kassel.de
http://www.fab-kassel.de/hessisches/lesben_gruppe.html
(Treffen mehrmals im Jahr in Frankfurt und Kassel zum Austausch und politischen Arbeiten)

Gruppe für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender mit Körperbehinderung – mit und ohne Partner in Köln
c/o Rubicon – Beratungszentrum für Lesben und Schwule
Rubensstr. 8-10
50676 Köln
e-mail: Corrie@Cornpet.de
www.cornpet.de
(Erfahrungsaustausch)

"Psychart "– Gruppe für Lesben und Schwule mit psychischen Erkrankungen in Köln
c/o Rubicon – Beratungszentrum für Lesben und Schwule
Rubensstr. 8-10
50676 Köln
Tel.: 0221/19 446
www.psychart.de
(Austausch, Selbsthilfe)

Folgende Beratungsstellen sind offen für behinderte Lesben
(hier arbeiten zum Teil auch Lesben mit Behinderungen)

Berlin
Lesbenberatung e.V.
Kulmer Str. 20a, 10783 Berlin
Telefon: 030 - 215 20 00, Fax: 030 - 21 91 70 09
e-mail: beratung@lesbenberatung-berlin.de
www.lesbenberatung-berlin.de

Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V.
Leinestr. 51, 12049 Berlin
Tel. und Fax 030/ 61 70 91 67
e-mail: netzfrau-berlin@freenet.de
www.netzwerk-behinderter-frauen-berlin.de

Rad und Tat
Schillerpromenade 1
12049 Berlin
Tel.: 030/621 47 53
e-mail: radundtatberlin@arcor.de
www.LesbischeInitiativeRuT.de

Frankfurt
LIBS – Frankfurter Lesben Informations- und Beratungsstelle
Alte Gasse 38
60313 Frankfurt
Tel.: 069/28 28 83
e-mail: info@libs.w4w.net
www.libs.w4w.net

Kassel
Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter – fab e.V.
Kölnische Str. 99, 34119 Kassel
Tel.: 0561/72 885-22, Fax: 0561/72 885-29
e-mail: beratung@fab-kassel.de
www.fab-kassel.de

Koblenz
KOBRA - Koordinierungs- und Beratungsstelle für Frauen mit Behinderungen in Rheinland-Pfalz
Frau Viktoria Przytulla
Moselweisser Str. 21
56073 Koblenz
Tel.: 0261/579615-1; Fax:0261/579615-2
e-mail: v.przytulla@zsl-koblenz.de

Köln
Rubicon – Beratungszentrum für Lesben und Schwule
Rubensstr. 8-10
50676 Köln
Tel.: 0221/27 66 999-0, Fax: 0221/27 66 999-99
e-mail: info@sozialwerk-koeln.de
www.sozialwerk-koeln.de

Lübeck
mixed pickles e.V.
Vernetzungs- und Koordinationsbüro
Verein für Mädchen und Frauen mit und ohne Behinderung in Schleswig-Holstein e.V.
Schwartauer Allee 10 , 23554 Lübeck
Tel.: 0451/7 02 16-40, Fax: 0451/7 02 16-42
e-mail: info@mixedpickles-ev.de
www.mixedpickles-ev.de

Mainz
KOBRA – Koordinierungs- und Beratungsstelle für Frauen mit Behinderungen in Rheinland-Pfalz
Rheinstr. 43-45, 55116 Mainz
Tel.: 06131/1 46 74-3, Fax: 06131/1 46 74-440
e-mail: KOBRA@zsl-mainz.de
www.zsl-mainz.de

München
Netzwerk von und für Frauen und Mädchen mit Behinderungen in Bayern
c/o LAGH
Orleansplatz 3, 81667 München
Tel.: 089/45 99 24 27, Fax: 089/45 99 24 28
e-mail: info@netzwerkfrauen-bayern.de
www.netzwerkfrauen-bayern.de

Münster
Netzwerk von Frauen und Mädchen mit Behinderungen NRW
Neubrückenstr. 12-14, 48143 Münster
Tel.: 0251/51 91 38, Fax: 0251/51 90 51
e-mail: frauen@lag-selbsthilfe-nrw.de
www.netzwerk-nrw.de

Hier finden Sie weitere Adressen von (teilweise) barrierefreien Beratungsstellen gegen sexualisierte Gewalt

Wenn Sie weitere Adressen von Beratungsstellen, in denen Lesben mit Behinderungen gut beraten werden oder Gruppenangebot in Städten kennen, melden Sie uns diese bitte. Wir ergänzen die Liste gerne!

Hier finden Sie weitere Links und Adressen

Psychiatrie-Erfahrene Lesben – Probleme und mögliche Strategien zur Bewältigung

von Rosa *

Psychiatrie-Erfahrene Lesben sind eine oft übersehene Gruppe. In der Psychiatrie-Erfahrenen-Selbsthilfe gibt es in den meisten Fällen nicht mal Frauenguppen. Wo sie existieren, sind die dort anwesenden Lesben oft die einzigen in der Gruppe, haben also einen ausgeprägten Minderheitsstatus. In der einzigen schwul- lesbischen Selbsthilfegruppe in Köln, PsychArt, sind sie ebenfalls in der Minderheit.

Sehr selten finden sich in der Lesbenszene mehrere Psychiatrie-Erfahrene zusammen und gründen eine Selbsthilfegruppe. Mir ist nur eine bekannt, die ca. ein Jahr in Hannover existierte. Oft haben psychiatrie-erfahrene Lesben auf Grund des Idealbildes einer gesunden, toughen Lesbe auch Angst, sich in der Szene zu outen und finden daher keine Gleich-Betroffenen.

Das erste Problem, vor dem psychiatrie-erfahrene Lesben stehen, ist das des Coming-Outs: mit dem einen Coming Out-Prozess als Lesbe ist es nämlich nicht getan. Auch als Psychiatrie-Erfahrene muss sie es vollziehen, will sie in der Selbsthilfe wirksam sein. Hinzu kommt die knifflige Situation, sich in der Psychiatrie-Erfahrenen-Szene als Lesbe bzw. in der Lesbenszene als Psychiatrie-Erfahrene zu outen.

Es gibt drei Strategien, damit umzugehen:

a) Offen zu sich stehen.

Vorteile:
es gibt Selbstbewusstsein und das Gefühl, ein mutiger Mensch zu sein.

Nachteile:
1. zu große Offenheit kann zu Anfeindungen, dummen Sprüchen, im Extremfall sogar zu Angriffen führen.

2. Wenn man nicht die nötigen Kompetenzen hat, dem zu begegnen, kann große Offenheit auch überfordern mit der Gefahr neuerlicher Krisen.

b) Situativ entscheiden, d. h., dem/der Einen reinen Wein einschenken, dem/der Anderen nicht.

Vorteile:
1. man kann, wo möglich, zu sich selbst stehen und wo nicht, durch Nichtwissen des Anderen geschützt bleiben.
2. es schult das Fingerspitzengefühl.
3. man kann seine Gegenübers erst beschnuppern, bevor man sich offenbart.

Nachteil:
man kann sich in denen täuschen, denen man es erzählt und sie sind nicht vertrauenswürdig, erzählen es weiter oder diskriminieren einen.

c) Ganz verdeckt leben.

Vorteile:
man ist vor direkten Anfeindungen geschützt (was nicht unbedingt verhindert, in Gesprächen evtl. doch mit Vorurteilen konfrontiert zu werden).

Nachteile:
1. man muss bei jedem Kennenlerngespräch sehr viel von sich verschweigen, d. h., man ist in seiner Spontaneität sehr eingeschränkt.
2. man findet mangels Offenheit keine gleich Betroffenen, mit denen man sich austauschen oder solidarisieren kann. Und von denen gibt es manchmal mehr als man glaubt.

Keine dieser Strategien muss eine Entscheidung für immer sein. So kann eine Lesbe z. B. nach einer Phase des partiellen Offenbarens den Mut erwerben, zukünftig offen zu sich zu stehen. Sie kann aber auch die Entscheidung treffen, mit der einen oder anderen Tatsache nur im privaten Kreise offen umzugehen. Ebenso ist es möglich, von Szene zu Szene, je nachdem wie frau die Leute einschätzt, mit denen sie es zu tun hat, unterschiedliche Entscheidungen zu fällen. Kurzum: es gibt so viele unterschiedliche Coming Outs, wie es Lesben und Psychiatrie-Erfahrene gibt.

Knifflig ist die Frage: oute ich mich gegenüber dem psychiatrischen Personal in der Psychiatrie selbst oder im ambulanten Bereich? Da frau in der Krise ist, ist ein Outing hier noch risikoreicher, birgt evtl. aber auch Chancen.

Zum einen gibt es eine ganze Menge MitarbeiterInnen, die diskriminierend reagieren. Bis 1987 war Homosexualität auch noch als psychische Krankheit mit Behandlungsbedürftigkeit im ICD (international gültiges Handbuch der Diagnosen) verzeichnet. Es gibt, auch wenn dies offiziell nicht mehr der Fall ist, durchaus noch MitarbeiterInnen der Psychiatrie, die versuchen, eine vom Lesbe-Sein zu „heilen“.

Auf der anderen Seite gibt es durchaus einige unter dem psychiatrischen Personal, die selbst lesbisch oder schwul sind. Hier und bei einigen aufgeschlossenen MitarbeiterInnen kann frau auch positive Erfahrungen machen. Nachteil des Verschweigens ist, dass frau sehr wesentliche Bestandteile ihres Lebens, die auch krisenverursachend sein können, außen vor lassen muss, damit also alleine bleibt. Vorteil kann sein, in diesem Teil seiner Identität vor psychiatrischem Zugriff geschützt zu bleiben.

Auch in psychosomatischen Kliniken kann frau sehr unterschiedliche Erfahrungen machen, schon mit verschiedenen MitarbeiterInnen derselben Einrichtung. Da man sich solche Kliniken im begrenzten Maße aussuchen kann, empfiehlt sich eine vorherige Recherche. Frauenberatungsstellen, Lesbenberatungen (www.lesbentelefon.de enthält eine Liste), Notrufe für vergewaltigte Frauen, Beratungsstellen für missbrauchte Frauen und Mädchen wie „Wildwasser“ (in Niedersachsen über www.frauen-maedchen-beratung.de ) können oft zum Angebot von Kliniken beraten. „Vielfalt e. V.“ (Verein zur Aufklärung über Dissoziation als Überlebensmuster) verschickt auf Anfrage eine Liste über Traumakliniken. Die Adresse von „Vielfalt e. V.“ steht auf der Webseite www.dissoc.de.

Bei oben genannten Institutionen kann frau auch erst mal für sich klären, was für eine Therapie sie sucht und wie sie die Suche angeht. Ansonsten empfiehlt es sich, in den probatorischen Sitzungen (die ersten fünf Schnupperstunden vor dem Antrag auf Therapie) das Thema Lesbisch-Sein zur Sprache zu bringen, da frau dann im Falle diskriminierender Äußerungen leichter die Therapeutin wechseln kann.

Es ist bei Missbräuchen o. Ä. (auch emotionalen ) in der Therapie möglich, Kontakt zu „Healing Rainbow“ aufzunehmen (www.healing-rainbow.de). Dies ist ein Selbsthilfeprojekt für Lesben, die in therapeutischen, beraterischen und medizinischen Strukturen Verletzungen in ihrem Lesbesein erfahren haben.

Unsere Situation ist sicher schwierig, aber unsere Probleme damit sind nicht unlösbar. Unsere Strategien, damit umzugehen, können Kompetenzen hervorbringen und schulen. So kann auch ein partielles Coming Out durchaus stärkend wirken. Wir können an den besonderen Anforderungen, die unser Leben als psychiatrie-erfahrene Lesbe an uns stellt, wachsen und lernen, in unserer Besonderheit zu uns selbst zu stehen. Nur Mut!

* Name von der Redaktion auf Wunsch der Autorin geändert.

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